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Compliance-Dokumente, Notfallpläne, Vertragsunterlagen, Leitlinien und Prüfberichte: In vielen Unternehmen wächst die Dokumentationslandschaft schneller, als sie sauber überprüft werden kann. Dieser Blog-Beitrag zeigt, wie KI-gestützte Dokumentensichtung dabei helfen kann, Anforderungen strukturierter zu prüfen, Lücken schneller sichtbar zu machen und Fachbereiche im Compliance -Umfeld zu entlasten.

Resilienz wird prüfbar, wenn Anforderungen nachvollziehbar dokumentiert sind.

Unternehmens Resilienz ist kein Thema, das Unternehmen nebenbei erledigen. Regulatorische Anforderungen werden dichter, Prüfpflichten nehmen zu und die Erwartungen an Nachvollziehbarkeit steigen. Das betrifft besonders Bereiche wie Informationssicherheit, Datenschutz, Auslagerungsmanagement und Business Continuity Management.

Das Problem ist dabei selten, dass Unternehmen gar keine Dokumente haben. Häufig ist eher das Gegenteil der Fall.

So gibt es zum Beispiel Leitlinien, Richtlinien, Prozessbeschreibungen, Kontrollnachweise, Protokolle und vieles mehr. Manche Dokumente sind aktuell, andere sind historisch gewachsen, mehrfach angepasst oder liegen in verschiedenen Fachbereichen. Genau hier beginnt die eigentliche Arbeit: Sind alle Anforderungen abgedeckt? Passen die Dokumente zueinander? Gibt es Lücken, Widersprüche oder veraltete Angaben?

Diese Prüfung ist mühsam. Sie kostet Zeit, bindet Fachwissen und ist fehleranfällig. Denn wer viele Dokumente manuell prüft, muss nicht nur einzelne Inhalte verstehen, sondern auch Zusammenhänge erkennen. Genau dafür kann KI ein sinnvoller Hebel sein.

Was KI-gestützte Dokumentensichtung leisten kann

KI-gestützte Dokumentensichtung bedeutet nicht, dass eine künstliche Intelligenz eigenständig Compliance übernimmt. Das wäre zu kurz gedacht und in regulierten Umfeldern auch nicht belastbar.

Der eigentliche Mehrwert liegt woanders: KI kann große Dokumentenmengen strukturiert durchsuchen, Inhalte mit definierten Anforderungen abgleichen und mögliche Auffälligkeiten sichtbar machen. Sie arbeitet dabei nicht als finale Entscheidungsinstanz, sondern als Assistenzsystem für Fachleute.

Praktisch kann das zum Beispiel so aussehen:

  • Dokumente werden hochgeladen oder bereitgestellt.
  • Ein definierter Fragen- oder Anforderungskatalog legt fest, was geprüft werden soll.
  • Die KI sucht passende Textstellen in den Dokumenten.
  • Die Ergebnisse werden bewertet, begründet und mit Quellenstellen verknüpft.
  • Fachleute prüfen anschließend die Ergebnisse und treffen die finale Bewertung.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die erste Sichtung wird schneller, strukturierter und nachvollziehbarer. Gerade bei wiederkehrenden Prüfungen oder umfangreichen Dokumentationsbeständen kann das deutlich entlasten.

Warum das besonders im Business Continuity Management spannend ist

Business Continuity Management, kurz BCM, ist ein gutes Beispiel für ein Umfeld, in dem Dokumente stark voneinander abhängen.

Ein funktionierendes BCM besteht nicht nur aus einem Notfallplan. Es umfasst unter anderem Leitlinien, Rollenbeschreibungen, Business Impact Analysen, Risikoanalysen, Strategien zur Geschäftsfortführung, Alarmierungswege, Kommunikationspläne, Wiederanlaufpläne, Übungskonzepte und Nachweise zur kontinuierlichen Verbesserung.

Diese Dokumente müssen zusammenpassen. Wenn in der Business Impact Analyse ein Prozess als zeitkritisch bewertet wird, müssen daraus passende Wiederanlaufzeiten, Ressourcenanforderungen und Notfallmaßnahmen folgen. Wenn Rollen in einer Leitlinie beschrieben werden, sollten sie auch in Alarmierungs- und Eskalationsplänen wieder auftauchen. Wenn Dienstleister für kritische Prozesse relevant sind, müssen diese Abhängigkeiten sauber dokumentiert und bewertet sein.

Das ist genau die Art von Aufgabe, bei der KI unterstützen kann. Nicht, weil sie besser als BCM-Expertinnen und BCM-Experten versteht, wie ein Unternehmen im Notfall funktionieren muss. Sondern weil sie helfen kann, Dokumente systematisch gegen definierte Anforderungen zu prüfen.

So wird aus einer unübersichtlichen Dokumentenmenge eine strukturierte Grundlage für die fachliche Bewertung.

Compl.AI als Beispiel für praxistaugliche KI im Compliance-Umfeld

Ein konkretes Beispiel aus dem adesso-Umfeld ist Compl.AI. Die Grundidee dahinter ist einfach: Dokumente werden nicht nur zusammengefasst, sondern anhand konkreter Kriterien analysiert. Dadurch eignet sich der Ansatz besonders für Compliance-Fragestellungen, bei denen nicht nur „Was steht im Dokument?“ relevant ist, sondern auch „Wird eine bestimmte Anforderung erfüllt?“.

Im DORA-Kontext zeigt adesso mit der Compl.AI, wie ein solcher Ansatz praktisch genutzt werden kann. Finanzunternehmen müssen im Rahmen des Digital Operational Resilience Act ihre Informations- und Kommunikationstechnik-Dienstleister sowie deren Verträge strukturiert betrachten. Genau hier setzt Compl.AI an. Das Tool unterstützt dabei, Verträge KI-gestützt auf DORA-Anforderungen zu prüfen.

Mehr dazu findet ihr auf der adesso-Seite zu zur Compl.AI.

Der spannende Punkt ist aber größer als DORA allein. Der Ansatz zeigt, wie KI im Compliance-Umfeld eingesetzt werden kann, wenn drei Dinge zusammenkommen:

  • Erstens braucht es eine klare fachliche Anforderungsbasis. Die KI muss wissen, wonach sie suchen und was sie bewerten soll.
  • Zweitens braucht es eine nachvollziehbare Auswertung. Ein Ergebnis ohne Quellenbezug hilft in Compliance-Kontexten wenig. Fachleute müssen sehen können, wie eine Bewertung zustande gekommen ist.
  • Drittens braucht es einen sicheren technischen Rahmen. Gerade bei Compliance-, Vertrags- und BCM-Dokumenten geht es oft um sensible Informationen. Datenschutz, sichere Verarbeitung und ein kontrollierter Betrieb sind deshalb keine Zusatzfeatures, sondern Grundvoraussetzung.

Compl.AI zeigt damit einen realistischen Weg: KI wird nicht als Spielerei eingesetzt, sondern als Werkzeug für konkrete Prüf- und Analyseprozesse.

Was Unternehmen konkret davon haben

Der Nutzen liegt nicht darin, dass KI die gesamte Compliance-Verantwortung übernimmt. Das kann und sollte sie nicht. Der Nutzen liegt darin, dass sie Fachbereiche, Compliance-Teams, BCM-Verantwortliche und Beratende bei der Vorarbeit unterstützt.

Das bringt vor allem vier Vorteile.

  • 1. Schnellere Erstbewertung
    Statt Dokumente einzeln zu lesen und manuell nach relevanten Aussagen zu suchen, kann eine KI-gestützte Sichtung Hinweise liefern, welche Anforderungen erfüllt, teilweise erfüllt oder möglicherweise nicht erfüllt sind. Das spart Zeit und hilft, den Prüfaufwand besser zu priorisieren.
  • 2. Bessere Vorbereitung auf Audits und Reviews
    Audits leben von Nachweisen. Wer zeigen kann, wo bestimmte Anforderungen dokumentiert sind, ist deutlich besser vorbereitet. Eine KI-gestützte Analyse kann helfen, passende Quellenstellen schneller zu finden und offene Punkte frühzeitig zu erkennen.
  • 3. Mehr Transparenz bei Lücken
    Viele Lücken entstehen nicht, weil niemand das Thema auf dem Schirm hatte. Sie entstehen, weil Informationen verteilt sind oder Abhängigkeiten übersehen werden. KI kann helfen, solche Auffälligkeiten sichtbar zu machen. Zum Beispiel, wenn ein Prozess als kritisch beschrieben wird, aber kein passender Geschäftsfortführungsplan vorhanden ist.
  • 4. Wiederholbare Prüfungen
    Compliance ist kein einmaliges Projekt. Anforderungen ändern sich, Dokumente werden angepasst und neue Nachweise kommen hinzu. Ein strukturierter KI-gestützter Prüfprozess kann wiederholt eingesetzt werden. Dadurch wird aus einer einmaligen Sichtung ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess.

Wo die Grenzen liegen

So nützlich KI-gestützte Dokumentensichtung ist: Sie ersetzt keine fachliche Verantwortung.

Eine KI kann nur mit den Informationen arbeiten, die ihr zur Verfügung stehen. Wenn Dokumente fehlen, schlecht gepflegt sind oder Anforderungen unklar formuliert wurden, wird auch das Ergebnis nur begrenzt belastbar sein. Außerdem kann KI Zusammenhänge falsch interpretieren oder Textstellen überbewerten, wenn der fachliche Kontext fehlt.

Deshalb sollte KI im Compliance- und BCM-Umfeld immer als Assistenzsystem verstanden werden. Sie liefert Hinweise, Vorbewertungen und Struktur. Die finale Einschätzung bleibt Aufgabe qualifizierter Fachleute.

Das ist keine Schwäche des Ansatzes. Es ist der realistische Umgang damit.

Fazit: Bessere Dokumentensichtung, bessere Entscheidungsgrundlage.

KI-gestützte Dokumentensichtung ist kein Ersatz für Audit-Fachwissen. Sie ist ein Werkzeug, um dieses Fachwissen gezielter einzusetzen.

Gerade im Business Continuity Management und in anderen dokumentenintensiven Compliance-Bereichen kann KI helfen, große Informationsmengen zu strukturieren, Anforderungen nachvollziehbar zu prüfen und Lücken schneller sichtbar zu machen. Dadurch werden Fachbereiche nicht aus der Verantwortung genommen, sondern besser unterstützt.

Der entscheidende Punkt ist: KI sollte nicht als Autopilot verstanden werden. Sie ist ein Copilot für die Dokumentensichtung. Richtig eingesetzt, spart sie Zeit, erhöht Transparenz und schafft eine bessere Grundlage für fundierte Entscheidungen.

Und genau darin liegt ihr Wert für moderne Compliance-Arbeit.


DORA.KI

Das GenAI-Analysewerkzeug für Finanzunternehmen

Die Verordnung DORA (Digital Operational Resilience Act) betrifft alle EU-Finanzunternehmen. Diese sind verpflichtet, ihre Informations- und Kommunikationsdienstleister sowie deren Sub-Dienstleister zu analysieren und strukturiert zu erfassen. DORA legt dafür eine Vielzahl von vertraglichen Anforderungen fest. Für Finanzunternehmen bedeutet dies: Sie müssen alle Verträge auf DORA-Compliance überprüfen.

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Bild Simon Ebbers

Autor Simon Ebbers

Simon Ebbers ist Consultant in der Business Line IT Management Consulting bei adesso. Sein fachlicher Fokus liegt auf dem Business Continuity Management, organisatorischer Resilienz und angrenzenden Compliance-Themen. In seiner Arbeit verbindet er BCM-Fachlichkeit mit technologischen Lösungsansätzen, um Unternehmen bei der strukturierten Weiterentwicklung ihrer Notfallvorsorge zu unterstützen.