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Viele Fachabteilungen von Netzbetreibern, Messstellenbetreibern und Lieferanten blicken auf den MaBiS-Hub derzeit noch vergleichsweise gelassen: Bei neuen Festlegungsverfahren der Bundesnetzagentur richtet sich der erste Blick meist auf Kosten, Fristen und Umsetzungsaufwand. Das ist verständlich – greift beim MaBiS-Hub (Verfahren BK6-24-210) aber deutlich zu kurz. Wer das Thema nur als regulatorische Pflichtübung abhakt, verschenkt eine der größten Chancen für die Marktkommunikation seit Jahren.

Worum es geht: Die Bundesnetzagentur reformiert mit dem MaBiS-Hub die Bilanzierung im Strommarkt grundlegend. Ziel ist eine zentrale Organisation, die alle bilanzierungsrelevanten Datenprozesse bündelt – Aufgaben, die heute dezentral bei Netzbetreibern liegen. Betrieben werden soll der Hub von den vier Übertragungsnetzbetreibern. Betroffen sind Messstellenbetreiber, Verteilnetzbetreiber, Lieferanten und Bilanzkreisverantwortliche gleichermaßen.

Im Umfeld kritischer Infrastruktur wird die strategische Relevanz des MaBiS-Hubs sichtbar: Wenn zentrale Marktkommunikation auf BSI-konformen kryptographischen Vorgaben, Smart-Metering-PKI, signierten API-Interaktionen und hochverfügbaren Verzeichnisdiensten basiert, braucht der Markt eine sichere und souverän betriebene Plattform.

Die Umsetzung ist bis Ende 2029 vorgesehen, Test- und Anpassungsphasen reichen teils bis 2030/2031. Der Zeitplan ist ambitioniert. Wer mit der Gap-Analyse erst 2027 beginnt, wird spürbar unter Druck geraten.

Warum die Compliance-Brille zu kurz greift

Erstens verschiebt sich die Wertschöpfungskette: Aufgaben, die heute Personal und Systeme bei Netzbetreibern binden, wandern zum Hub. Wer früh überlegt, wie freigesetzte Kapazitäten künftig genutzt werden, gewinnt Vorsprung gegenüber Wettbewerbern, die diese Frage erst nach der Umstellung stellen.

Zweitens schafft eine standardisierte, zentral gepflegte Datenbasis die Grundlage für neue, datengetriebene Services – von präziseren Prognosen bis zu neuen Angeboten für Kunden und Bilanzkreisverantwortliche.

Drittens ist der Hub wohl nur ein erster Schritt: Die BNetzA lässt bereits Parallelkonzepte für eine effizientere Marktkommunikationslandschaft mit Hub-Technologien über 2032 hinaus prüfen. Wer heute nur Mindestanforderungen erfüllt, muss bei der nächsten Ausbaustufe erneut nachbessern – während andere die aktuelle Umstellung bereits als Blaupause nutzen.

Viertens geht es nicht nur um den Bau des Hubs selbst. Jeder unserer Utilities-Kunden wird seine eigene Anbindung und seine Schnittstellen zum Hub aufbauen, testen und betreiben müssen. Die eigentliche Umsetzungswelle betrifft also nicht nur den Hub-Betreiber, sondern den gesamten Markt.

MaBiS-Hub: Warum adesso hier eine Schlüsselrolle einnehmen wird.

Der MaBiS-Hub erzeugt nicht nur Hub-Bedarf – sondern flächendeckenden Umsetzungsbedarf im Markt

Ein Blick in die heutige MaBiS-Logik zeigt, wie tief die Prozesse bereits verzahnt sind: Alle MaBiS-relevanten Zeitreihen werden über MaBiS-Zählpunkte identifiziert. Hinzu kommen geregelte Anwendungsfälle für Aktivierung und Deaktivierung, Datenstatus, Netzzeitreihen, Lieferantenclearinglisten, Bilanzierungsgebietssummenzeitreihen, Bilanzkreissummenzeitreihen und Statusmeldungen zwischen Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB), Verteilnetzbetreibern (NB), Bilanzkoodinatoren (BIKO), Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) und Lieferanten (LF). Das zeigt sehr klar: Es geht nicht um eine einzelne Schnittstelle, sondern um ein komplexes Zusammenspiel aus Fachlichkeit, Prozesslogik und technischer Integration.

Adesso sehe ich genau hier, denn der Aufwand endet nicht beim Hub selbst. Betroffene Marktrollen müssen ihre eigene Anbindung, ihre Prozesse und ihre Zielarchitektur anpassen. Der deutlich größere Markt entsteht daher nicht nur zentral, sondern bei den vielen Unternehmen, die den Hub fachlich und technisch in ihre bestehende Landschaft integrieren müssen.

Der MaBiS-Hub ist für adesso weit mehr als das nächste regulatorische Vorhaben im Strommarkt. Er ist eine strategische Chance – weil er tief in Marktkommunikation, Prozesslogik, Integrationsanforderungen und Sicherheitsmechanismen eingreift. Genau an dieser Schnittstelle aus Utilities-Fachlichkeit, Technologie und Transformation ist adesso stark.

Risiken nicht kleinreden

Der Integrationsaufwand wird erheblich, besonders für kleinere Stadtwerke mit begrenzten IT-Ressourcen. Der Parallelbetrieb alter und neuer Systeme während der Übergangsphase, die Datensicherheit einer derart zentralisierten Infrastruktur sowie mögliche Interessenkonflikte zwischen den hub-betreibenden Übertragungsnetzbetreibern und den übrigen Marktakteuren bleiben ernst zu nehmen. Auch internationale Hub-Modelle, etwa in Dänemark, Finnland oder Schweden, zeigen: Zentrale Datenplattformen können Prozesse vereinfachen, ihre Einführung verläuft aber selten reibungslos.

Hinzu kommt ein weiterer Engpass: der Ressourcenmarkt. Parallel zur laufenden SAP-Transformation werden viele Unternehmen Entwicklerinnen und Entwickler, Integrationsspezialisten, Tester sowie Fachberater mit energiewirtschaftlichem Know-how benötigen. Wer zu spät startet, gerät nicht nur zeitlich, sondern auch personell unter Druck.

Der MaBiS-Hub kommt – die entscheidende Frage lautet, ob Unternehmen ihn als Pflicht oder als Chance begreifen. Langfristig erfolgreich ist, wer die Umstellung nutzt, um Prozesse, Datenarchitektur und Geschäftsmodell weiterzuentwickeln, statt sie nur fristgerecht abzuarbeiten. Für adesso liegt darin eine klare strategische Chance: als Partner für Architektur, Integration, Umsetzung und energiewirtschaftliche Beratung – beim Hub selbst und bei den vielen Anbindungen auf Kundenseite. Angesichts eines ambitionierten Zeitplans bis 2028 und weiterreichender Pläne der BNetzA für die 2030er-Jahre lohnt sich der Perspektivwechsel schon heute: vom Projekt, das erledigt werden muss, zum Projekt, das Zukunft gestaltet.

Ob ÜNB, VB, LF, BIKO, BKV oder MSB – die Umstellung auf den MaBiS-Hub wirft je nach Marktrolle unterschiedliche Fragen auf. adesso unterstützt dabei, Anforderungen einzuordnen und die nächsten Schritte zu planen. Mehr zum Thema und zum Beratungsangebot gibt es auf unserer Landing Page

Für konkrete Fragen bietet sich ebenfalls ein unverbindlicher Austausch mit unserem Utilities-Team an.
Bild Stephan Hornung

Autor Stephan Hornung

Stephan Hornung ist Senior Account Manager in der Business Line Utilities bei adesso. Mit über 25 Jahren Berufs- und Projekterfahrung ist er ein Experte an der Schnittstelle zwischen Energiewirtschaft und IT.

Kategorie:

Branchen

Schlagwörter:

Energiewirtschaft