Smart Factory ist nur der Anfang:

Die Digitalisierung eines produzierenden Unternehmens

Im Rahmen der digitalen Transformation von Unternehmen werden oft nur die Prozesse der Produktion betrachtet. Dabei können produzierende Unternehmen weit mehr von dem Wert ihrer Daten profitieren, wenn sie alle Unternehmensprozesse betrachten und digital miteinander verknüpfen. Das Unternehmen TRILUX, Systemanbieter für professionelle Beleuchtung, hat dies erkannt und entwickelt zusammen mit adesso Lösungen, die schon beim ersten Kundenkontakt ansetzen und in der gesamten Prozesskette bis hin zum After-Sales-Support unterstützen.

Ein Beitrag von Markus Merder

Betrachtet man produzierende Unternehmen mit den Augen des Kunden, dann beginnt die Customer Journey bereits, bevor der Kunde seinen Bedarf überhaupt erkannt hat. Das Kundenerlebnis geht dann weiter über die Bestellung und den Einsatz des gekauften Produkts bis hin zur Inanspruchnahme damit verbundener Services.

Als Marktführer für technische Beleuchtung steht TRILUX vor der Herausforderung, als Systemlieferant gleich mehrstufig zu beraten: und zwar von der Ausschreibung über die Kommunikation mit den Architekten in der Phase der Konzeption bis hin zur Abstimmung mit den Installateuren in der Phase der Umsetzung. Letztere beziehen die TRILUX-Produkte beispielsweise über den mehrstufigen Absatzkanal des Elektrofachhandels. Endkunden fordern gleichzeitig nutzenorientierte Systemlösungen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der langfristig erfolgreichen Marktbearbeitung und in der konsistenten Information über Kundenbedürfnisse und Kaufverhalten, die in Echtzeit den unterschiedlichen Ansprechpartnern zur Verfügung gestellt werden. Zusammen mit dem Digital-Business-Experten der adesso Group, der ARITHNEA GmbH, entwickelt adesso für TRILUX daher eine Kundenplattform, auf der jeder Teil der Lieferkette bis hin zum Endkunden seine Projekte planen, Produkte online konfigurieren und durch Lichtplaner validieren lassen kann. Diese Informationen lassen sich dann bei Angebotsanfragen von Grosshändlern schnell wiedererkennen und zuordnen.

Auch wenn die Lichtlösungen immer individueller werden – viele Anfragen und Angebote sind wiederkehrend oder sogar vergleichbar und standardisierbar. Hier liegt eine große Chance der Beleuchtungsbranche und zugleich ein strategischer Arbeitsschwerpunkt von adesso:

  • Leistungspositionen und deren Eigenschaften und Anforderungen müssen erkannt werden.
  • Die passenden Produkte im eigenen, sich immer schneller ändernden Katalog müssen gesucht werden.
  • Kundenindividuelle Konditionen müssen ermittelt werden.
  • Das Angebot muss versendet werden.

Massgeschneiderte Kundenlösung

Der Anspruch an die massgeschneiderte Kundenlösung im Sinne von SIMPLIFY YOUR LIGHT erfordert auch individuelle Angebote je Kunde. Bei Ausnahmen können Arbeitsschritte zusätzlich erschwert werden: Zu gleichen Projekten können mehrere Anfragen ankommen, zum Beispiel, um Rabattmöglichkeiten auszuloten oder weil im Rahmen öffentlicher Ausschreibungen mehrere Grosshändler zum gleichen Projekt anfragen. In einem solchen Fall ist es vorteilhaft, wenn man diese Anfragen erkennt und sie intern in nur einem Angebotsprozess zusammenführt.

Die adesso-Lösung, die hauptsächlich den Vertriebsinnendienst hier entlastet, basiert auf Künstlicher Intelligenz (KI). Damit ist es möglich, Muster in ähnlichen Anfragen zu erkennen und kenntlich zu machen, so dass eine manuelle Planung entfällt. Die Leistungspositionen können klassifiziert und die angefragten Eigenschaften erkannt werden. Nun kann beispielsweise über maschinelles Lernen das passendste Produkt beziehungsweise die passendste Produktlinie aus dem eigenen Katalog gesucht und dem zuständigen Mitarbeiter vorgeschlagen werden. Dieser erhält somit ein einheitliches Cockpit, angereichert mit intelligenten, zeit- und kostensparenden Vorschlägen.


Installation des neuen TRILUX-Lichtbands E-Line Next LED im famila-Markt am Timmendorfer Strand.

Werkerführung für die Monteure

Mit der Bestellung startet direkt der Produktionsprozess: Immer kleinere Losgrössen erfordern eine hochflexible Produktion. Diese war schon immer eine der Stärken von TRILUX, wenngleich sie noch nicht durchgängig digitalisiert war. Die Einführung von MES-Standardprodukten (MES für „Manufacturing Execution System“, zu Deutsch Produktionsleitsystem) bot sich hier als Option an. Sie hätte jedoch zu Abstrichen bei der Flexibilität geführt, da entweder Prozesse standardisiert oder die Manufacturing-Execution-Systeme stark angepasst werden müssten.

Die Entscheidung von TRILUX fiel schliesslich auf die Entwicklung einer Werkerführung, also einer automatischen Anleitung der Leuchten-Monteure bei ihren manuellen Fertigungstätigkeiten. Diese moderne Werkerführung übernimmt Funktionen der Betriebsdatenerfassung (BDE) und des Manufacturing-Execution-Systems, angepasst an die bestehenden Produktionsprozesse. Dies hat den unverzichtbaren Vorteil, dass die hohe Flexibilität beibehalten werden kann.

Doch nicht nur das: Das Wissen, das oft nur in den Köpfen der Einrichter und Montierer vorhanden war, musste nicht vor der Einführung eines MES aufwändig gesammelt und Stammdaten dazu bereinigt werden, sondern wird durch die Werkerführung digitalisiert. Prozessschritte, die früher in der Vorproduktion stattfanden und somit weitere Intralogistik-Prozesse erforderten, können nun direkt in der Endmontage erledigt werden. Dies ermöglicht grosse Kosteneinsparungen.

Enabler für smarte Produkte

Die digitale Produktion ist zudem auch der „Enabler“ für das smarte Produkt: Leuchten können mit individuellen digitalen Seriennummern versehen und damit einfach identifiziert werden. Anhand der Nummer ist es nun im Falle eines Fehlers während des Einsatzes möglich, Betrieb und Status der einzelnen Leuchte zu überprüfen. Mehr noch: Durch die Anbindung an die TRILUX-Cloud können im Sinne einer vorausschauenden Wartung („Predictive Maintenance“) bereits vorsorglich Vorkehrungen getroffen werden, noch bevor es zu Störungen im Ablauf kommt. Ein wesentlicher Mehrwert für Kunden und ein Alleinstellungsmerkmal für TRILUX.

Neue Geschäftsmodelle werden denkbar, die weit über die reine Produktfertigung hinausgehen und Services ermöglichen, die unter das Stichwort „Light as a Managed Service“ – Verkauf von Licht als Dienstleistungspaket – fallen. Die dafür erforderliche Cloud-Lösung wurde von der adesso-Tochter com2m, einem Experten für Lösungen auf Basis des Internets der Dinge, auf Grundlage der com2m-eigenen IoT-Plattform realisiert. Die Lösung ist somit individuell auf die Anforderungen der Kunden zugeschnitten.

Diese Brancheninnovationen ermöglichen es TRILUX, immer nah an seinen Kunden zu sein und wichtige Daten für neue Services zu gewinnen. Mit diesen Daten können dann zum Beispiel weitere Prozesse angestossen und optimiert werden:

  • Anhand der Anfragen über die Kundenplattform lassen sich bessere Prognosen über die zukünftige Auslastung ableiten. Das wiederum könnte in einem Einkäufer-Cockpit helfen, den idealen Zeitpunkt für Einkäufe zu finden, beispielsweise unter Berücksichtigung aktuell gültiger Rohstoffpreise. Bei anderen Kunden hat adesso bereits gezeigt, dass dies Mehrwerte liefert.
  • Auch After-Sales-Services, wie zum Beispiel die Wartung der ausgelieferten Produkte, lassen sich gezielter steuern. So können anhand von Ausfallwahrscheinlichkeiten Routen optimiert werden. Viele Daten sind auch aus der Ferne über die Cloud abrufbar, was wiederum Fahrten zum Kunden einspart.

Aus all diesen Punkten wird ersichtlich, dass digital unterstützte bereichsübergreifende Abläufe in der Fertigungsindustrie ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal werden können. Es gilt, das gesamte Unternehmen in all seinen Abläufen digital zu gestalten, um in Zukunft erfolgreich und wettbewerbsfähig zu sein.

Das Unternehmen TRILUX hat diese Herausforderung erfolgreich angenommen: Im Zuge der Zusammenarbeit wurde adesso hier vom Lieferanten zum Partner. Mit der TRILUX Digital Solutions GmbH haben TRILUX und adesso ein gemeinsames Unternehmen geschaffen, das übrigens auch die oben beschriebenen Erfahrungen bündelt und über adesso als Vermittler und „Digital Enabler“ mit interessierten Unternehmen teilt.

Auf dem Weg zur digitalen Organisation mit smarten Produkten begleitet die adesso Group eine Vielzahl an Unternehmen. Dazu gehören unter anderem die Accumulatorenwerke HOPPECKE Carl Zoellner & Sohn GmbH und die Böcker Maschinenwerke GmbH.
Diese beiden Beispiele aus unserem Kunden-Portfolio demonstrieren die Breite unseres Leistungsbereiches für Unternehmen der produzierenden Industrie:

Die Accumulatorenwerke HOPPECKE Carl Zoellner & Sohn sind ein führender Hersteller von Industriebatteriesystemen im B2B-Bereich. Die hier produzierten Industriebatterien sind unter anderem als Notstromversorgung von Zügen, Rechenzentren oder auch Krankenhäusern im Einsatz.

Unser Auftrag: Da HOPPECKE neue Geschäftsmodelle und Services anbieten möchte, begleitet die adesso Group mit seiner Tochter com2m GmbH das Unternehmen bei der Vernetzung der Produkte und führt dazu eine zentrale IoT-Plattform ein. Auf dieser werden zukünftig sowohl interne Services als auch neue Dienstleistungen für Kunden angeboten. Damit können Servicetechniker beispielsweise gezielter ihre Wartungseinsätze planen und teilweise „remote“ durchführen. HOPPECKE ist damit gewissermassen ein klassisches Beispiel für einen Product-as-a-Service-Fall: Das Unternehmen wandelt sich durch den Einsatz der neuesten IoT-Techniken vom reinen Akkumulatoren-Verkäufer zum Energieanbieter.

Die Böcker Maschinenwerke GmbH ist ein international agierendes Unternehmen und einer der weltweit führenden Entwickler und Hersteller auf dem Gebiet der Höhenzugangstechnik. Zum Portfolio gehören beispielsweise mobile Autokrane, Lastenlifte und Bau- und Personenaufzüge.

Unser Auftrag: Um bedarfsgerechten Service, aber vor allem auch Mehrwerte für die Kunden von Böcker anzubieten, entwickelte die adesso Group mit den Spezialisten von com2m eine IoT-Cloud-Lösung, in der neben GPS-Informationen vor allem Nutzungsdaten zu mobilen Autokranen live erfasst, ausgewertet und visualisiert werden können.

Markus Merder

leitet bei adesso den Bereich Consulting und die Softwareentwicklung für produzierende Unternehmen. Darüber hinaus ist er für das „Digital Experience Lab“ von adesso am Standort Dortmund zuständig. In der Vergangenheit leitete er Projekte für die Digitalisierung der Produktion und führte sie erfolgreich bei Kunden ein. Markus hat Informatik und Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Dortmund studiert.

E-Mail: markus.merder@adesso.de

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