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Menschen von oben fotografiert, die an einem Tisch sitzen.

Clickbaiting: Wir Menschen sind neugierig – ausnahmslos

Clickbaiting beschreibt die Eigenschaft, genau die menschliche Neugierde anzustacheln und ein bestimmtes Verhalten zu provozieren, nämlich das Klicken auf weitere Informationen. Ein Köder (englisch bait) wird in Form einer reißerischen Schlagzeile ausgeworfen und bedient unsere niederen Instinkte.

Die Verheißung von schnellem Geld, gutem Aussehen und unglaublicher Gesundheit mithilfe von supereinfachen Geheimtipps triggert unser Interesse. Auch tragische Schicksale von Tieren oder Prominenten sind Garanten für eine hohe Aufmerksamkeit. Diese Themen werden so formuliert, dass sie eine sogenannte Neugier- oder Informationslücke (englisch curiosity gap beziehungsweise information gap) entstehen lassen. Den Leserinnen und Lesern wird nur ein Minimum an Informationen mitgeteilt. Nur so viel, um sie neugierig zu machen. Diese Neugierde wird aber nicht befriedigt – vergleichbar mit einem Cliffhanger am Ende einer TV-Serien-Episode.

Was sich tatsächlich hinter den angebotenen Links verbirgt, kann sehr unterschiedlich sein. Üblicherweise handelt es sich um Inhalte mit geringem Informationsgehalt, aber dafür gespickt mit enorm viel Werbung. Für die Unternehmen, die Werbung auf einer Webseite platzieren, ist jeder Klick einer Besucherin oder eines Besuchers bares Geld wert.

Aus diesem Grund werden die eingefangenen Opfer dazu animiert, immer weiterzuklicken, zum Beispiel in Form von Bilderserien, die bei jedem Aufruf eines neuen Fotos auch neue Werbung generieren.

Die Vertreter der sogenannten Klatschpresse – etwa BILD, Bunte und Gala – wissen schon seit Jahrzehnten, wie sie ihre Leserinnen und Leser ködern. Über das Internet, insbesondere über die einschlägigen sozialen Netzwerke und kostenfreien Nachrichtenportale, ist es nun sogar noch einfacher, Menschen einzufangen. Printmedien kosten die Leserin und den Leser Geld. Dies muss aktiv ausgegeben werden, erzeugt eine gewisse Hemmschwelle und eröffnet die Frage, welcher Gegenwert hinter dieser Investition steht.

Im digitalen Raum hingegen wird mit Aufmerksamkeit und Interaktion bezahlt. Der unbedachte Klick erzeugt keine fühlbaren Kosten. Der tatsächliche Preis entsteht über die direkt und unterschwellig wahrgenommene Werbung, die den Leserinnen und Lesern ins Blickfeld springt.

Was könnt ihr also tun, um Clickbaiting zu erkennen und nicht Opfer eurer niederen Instinkte zu werden?

Vor allem hilft eine Grundsensibilisierung für das Thema in Verbindung mit etwas Skepsis und einer Portion gesundem Menschenverstand. Grundsätzliche Erkennungsmerkmale für Clickbaiting sind:

1. Die Ansprache:

Werden typische Clickbait-Eigenschaften in der Schlagzeile oder der Kurzinfo verwendet? Zum Beispiel:

  • Übertreibung – „Superlative ohne Grenzen“
  • Sensation – „Das gab es noch nie“
  • Geheimnisse – „Endlich gelöst“
  • Die Überschrift könnte auch in der Bildzeitung stehen – „Vorsicht, wenn Ihre Eltern DIESE Nachricht bekommen“
  • Einzelne Wörter in GROSSBUCHSTABEN – siehe vorheriger Punkt
2. Das Thema:

Werden Themen angesprochen, die einfache Inhalte versprechen und üblicherweise von weniger seriösen Anbietern verwendet werden? Kann man davon ausgehen, dass das Thema professionell aufbereitet worden ist – zum Beispiel weil es speziell und komplex, also nicht massentauglich ist?

3. Die Umgebung:

Wo befindet ihr euch gerade? Lest ihr gerade etwas auf einer Internetseite oder in einer App, die für qualitativ hochwertigen Journalismus bekannt ist? Kennt ihr die Autorin oder den Autor?

Glücklicherweise ist Clickbait eher nervig als schädlich. Letztendlich kann es aber ein Einfallstor für weitere Bedrohungen mit einem weitaus höheren Schadenspotenzial sein. Wer sich ködern lässt, der ist vermutlich auch anfälliger für Social-Engineering-Attacken, wie beispielsweise das Phishing. Mehr zum Thema Phishing erfahrt ihr übrigens im Blog-Beitrag meiner Kollegin Vivien Emily Schiller.

Hoax

Scherze, die auf Falschmeldungen (englisch hoax) beruhen, schaffen es erstaunlicherweise immer wieder, sich mit großer Geschwindigkeit zu verbreiten. Auch wenn hierbei kein kommerzieller Hintergrund vorhanden ist, sind die Methoden dem Clickbaiting sehr ähnlich.

Eine sensationelle Nachricht wird so gestaltet, dass sie sich quasi von selbst verbreitet. Die Art und Weise ist einem Kettenbrief sehr ähnlich, allerdings mit den erweiterten Möglichkeiten, die soziale Medien und die digitale Kommunikation mit sich bringen. Beispiele sind:

  • Verschwörungstheorien: Die Regierung lässt aus Flugzeugen Chemikalien (sogenannte Chemtrails) über die Bevölkerung regnen, um diese zu manipulieren.
  • Verunsicherungen: „An alle Eltern: Neue Drogen in Brausepäckchen sind auf den Schulhöfen im Umlauf.“
  • Skandale/Schauergeschichten: „Mutationen durch Backpulver!“
  • Schnäppchen/einfaches Geld: „Wer diese Nachricht teilt, bekommt von Bill Gates Geld geschenkt.“
  • Insider-Tipps: „Lege nur 10 Euro im Monat an und werde Millionär.“
  • Petitionen: Spenden für nichtexistierende Personen.

Bei Hoaxes geht es häufig darum, zu verunsichern und die Gutgläubigkeit von Menschen auszunutzen. Eine besondere populäre Form von Hoaxes richtet sogar tatsächlich Schaden an.

Es kursieren gefälschte Warnungen vor Trojanern und Viren, die sich in bestimmten Dateien verbergen. Die sofortige Löschung dieser Dateien soll Nutzerinnen und Nutzer vor weiterem Schaden bewahren. Wer dieser Warnung folgt, löscht dann aber keine Schadsoftware, sondern wichtige Systemdateien und zerstört damit die Funktionsfähigkeit seines Computers. Eine Neuinstallation des Betriebssystems ist aufwändig und lästig. Sogar Datenverluste sind möglich.

Bevor eigenhändig Daten gelöscht werden, ist es wichtig, sich zu vergewissern, dass die vorliegende Meldung seriös ist. Sollte der benannte Virus tatsächlich existieren, wird er von vielen unabhängigen Quellen benannt werden. Gibt es keine verfügbaren Informationen, wird es sich vermutlich um einen Täuschungsversuch handeln.

Um nicht Opfer eines Hoaxes zu werden, gelten dieselben Empfehlungen wie für die Vermeidung von Clickbait: aufmerksam und kritisch sein! Darüber hinaus ist es möglich, den Wahrheitsgehalt von Meldungen selbst zu überprüfen. Beispielsweise über Websites, die bekannte Hoaxes auflisten, wie zum Beispiel mimikama unter dem Motto „Zuerst denken – dann klicken“ (Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch).

Fazit

Clickbaiting und „Scherze“ sind nicht immer eindeutig zu erkennen. Trotzdem gibt es doch einige Möglichkeiten, unseriöse Inhalte festzustellen. Beide Themen lassen sich unter den Überbegriffen „Social Engineering“ und „Fake News“ verorten und sind eher lästig als gefährlich.

Die Manipulation von Menschen kann auch deutlich unangenehmere Folgen nach sich ziehen. Sicherlich treibt euch nicht jeder unbedachte Klick in die Fänge von Kriminellen. Trotzdem kann ein falscher Klick dazu führen, dass ihr Opfer von Betrug, Erpressung und Datenverlust werdet.

Was die Überschrift dieses Artikels angeht – natürlich sollte sie eure Aufmerksamkeit wecken.Und wie sieht es mit der Echtheit der Goldfunde in Deutschland aus? Ostern steht vor der Tür – haltet die Augen nach goldglänzend verpackten, leckeren Schokoeiern offen. Das ist vielleicht nicht genau das, was die Überschrift suggeriert hat. Da ihr dem Artikel aber bis hierher gefolgt seid, hatte ich doch etwas Erfolg dabei, euch zum Lesen zu verleiten.

Bild Tobias  Dieter

Autor Tobias Dieter

Tobias Dieter ist seit 2022 für adesso als Managing Consultant in den Themenbereichen Informationssicherheit, IT-Service-Management und Datenschutz tätig. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte besteht in der Konzeption und Durchführung von Security Awareness Kampagnen.

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