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Anforderungen als neue Variable im Projektmanagement

Während in der Vergangenheit und vor allem in klassischen Modellen die Anforderung ein unverrückbarer Bestandteil in jedem Pflichtenheft war, geht der Trend bei agilen Methoden genau in die entgegengesetzte Richtung. Das Ziel bleibt nach wie vor so nahe wie möglich an seine ursprüngliche Vision heranzukommen, versucht dabei jedoch negative Veränderungen genauso zu antizipieren, wie neue positive Ideenansätze. Das Bild einer Waage kommt dieser Idee sehr nahe.

Womöglich treten Schwierigkeiten in der Entwicklung auf und wir müssen damit leben, dass wir bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr alles umgesetzt bekommen. Nicht aus Boshaftigkeit oder Unvermögen, sondern weil einige Schwierigkeiten erst dann zu erkennen sind, wenn die Entwicklung fortgeschritten ist. Dann wäre es doch optimal vor allem die Dinge umgesetzt zu haben, die 95% unser Business Values ausmachen. Das geschieht durch stetige und kontinuierliche Priorisierung in Scrum.

Vielleicht merken wir jedoch auch im Verlauf der Umsetzung, wie wir unsere ursprüngliche Vision noch verbessern könnten. Da wir mit Scrum in regelmäßigen Arbeitszyklen (Sprints genannt) greifbare und funktionale Ergebnisse geliefert bekommen, können wir handfester in die Materie eingreifen. Wir können sie während des Entstehungsprozesses formen und sie Kolleginnen und Kollegen zeigen. Anhand der empirisch gesammelten Daten und Fakten können wir uns dann neu ausrichten und versuchen die Vision noch weiter zu verbessern. Da alle Arbeitsergebnisse in Scrum immer „Done“ sind, bietet sich die Chance, jede Teilentwicklung bereits zu veröffentlichen oder zu testen. Sie ist in sich abgeschlossen und fertig.

Anforderungen sind hier weniger ein Stapel an Papieren, sondern entsprechen einer lebendigen Masse, die wir neu ordnen, gestalten und ergänzen können. Durch diese Lebendigkeit können wir die Time-to-Market direkt beeinflussen und auf neue innovative Trends reagieren. Der Weg dorthin bedarf ein wenig Zeit und Gewöhnung, ist aber erreichbar und keine Utopie aus irgendwelchen von Gurus verfassten Schriftstücken. Wenn Sie noch mehr über die Chancen und Möglichkeiten von Scrum oder Agilität im Generellen erfahren möchten, dann empfehle ich unser neues Whitepaper „Scrum erklärt“. Dort gewinnen Sie einen ersten Eindruck was Scrum ist, auf was Sie sich einlassen und bekommen authentische Beispiele aus dem Alltag eines agilen Dienstleisters.

Hohe Transparenz dank regelmäßigem Austausch

Die Zeiten, in denen Entwicklerteams in dunklen Kammern sitzen und der Dienstleister mit dem Kunden in Halbjahres-Zyklen zum Rapport erscheint, weichen einem sehr direkten und transparenten Austausch. Die Kunden müssen mehr Verantwortung mittragen und sich mehr engagieren, dafür sind sie mitten in der Entwicklung dabei. Sie sind direkt an der Vision beteiligt, können sich von den Expertinnen und Experten in der Entwicklung beraten lassen und Ideen challengen. Sie profitieren noch stärker von der jahrelangen Erfahrung der Dienstleistenden, anstatt nur oberflächlich Dinge nieder zu schreiben und darauf zu hoffen, dass es so richtig sein wird.

Durch den Product-Owner als Leitgestalt sind die Kunden mitten im Team. Sie wissen genau, was der Stand der Dinge ist. Sie sehen, wie gut oder schlecht die Dinge laufen. Sie können aktiv eingreifen und sich Ideen abholen oder neue Ideen einbringen. Mindestens alle 30 Tage (die Maximalzeit eines Sprints in Scrum) bekommen sie – und alle Stakeholder, die Interesse haben ,einen Einblick in die aktive Entwicklung während des Sprint Reviews. Barrieren innerhalb des Projekts und Berührungsängste in der eigenen Firma werden reduziert. Alle sind mit dabei. Der direkte Austausch sorgt für eine Reduktion von Fehlern und für eine stete Präzisierung des gemeinsamen Kurses. Der Dienstleister als Lotse, die Kunden als Kapitäne - eine perfekte Synergie.

Das Beste daran: alle Termine in Scrum sind genau darauf ausgelegt und zeitlich fix terminiert. Sie schaffen Transparenz, Eindeutigkeit, Verbesserung und gegenseitigen Austausch. Man muss sich nicht mehr blind darauf verlassen, dass der Dienstleister das Richtige tut. Man bekommt es greifbar mit und ist auf dem Laufenden.

Schulungen der internen Mitarbeitenden als erster Schritt

Um in die Welt und Chancen von Scrum eintauchen zu können, empfiehlt es sich ein kompetentes Beraterteam ins Haus zu holen und sich selbst und sein direktes Umfeld zu schulen beziehungsweise beleuchten zu lassen. Welche Anforderungen werden an uns als Kunde gestellt? Wie müssen oder können wir unsere eigene Firma für Scrum und Agilität bereit machen? Was haben wir überhaupt davon, diesen Schritt zu gehen? Was haben wir vielleicht sogar schon im Haus und was müssten wir noch einführen? Berührungsängste abzubauen, Wissen zu transferieren und die Chancen am eigenen Umfeld zu skizzieren, hilft. Ein agiler Coach ist der perfekte Anfang.

Im zweiten Teil erfahrt ihr, wie Scrum die Projektarbeit auch für den Dienstleister in vielerlei Hinsicht besser macht und welche neuen Perspektiven dies eröffnet.

Picture Markus  Stroh

Autor Markus Stroh

Markus Stroh ist Team Manager Web Experience Management und Scrum Master bei adesso.

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  • Scrum und die Chancen auf Kundenseite - Teil 1/3

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