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Lösungsansätze die euch nach vorne bringen

Unternehmen in Europa sehen sich mit einer Polykrise aus geopolitischen Spannungen, Fachkräftemangel, Lieferkettenrisiken und steigendem Druck in Richtung Klimaneutralität konfrontiert. Gleichzeitig wird der regulatorische Rahmen immer volatiler. Die erneute Verschiebung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), die Diskussion um gestaffelte Anwendungsdaten sowie die laufenden Anpassungen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), der European Sustainability Reporting Standards (ESRS), der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) oder auch des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) zeigen, dass sich die Spielregeln auch kurzfristig ändern können. Wer sein Nachhaltigkeitsmanagement, seine ESG-Strategie und seine Datenarchitektur weiterhin ausschließlich an der punktgenauen Erfüllung einzelner Vorschriften ausrichtet, riskiert damit nicht nur hohe Anpassungskosten, sondern auch Fehlinvestitionen mit einem unsicheren ROI.

Datenfragmentierung in globalen Lieferketten

In vielen Unternehmen liegen die für ein professionelles ESG-Management benötigten Daten noch nicht im eigenen ERP-System vor, sondern sind bei Lieferanten, Logistikpartnern und Dienstleistern entlang globaler Wertschöpfungsketten verteilt. Netzwerk-Lieferketten, die durch Nearshoring, Multi-Sourcing und resilienzgetriebene Redesigns entstehen, erhöhen die Komplexität der Datenerhebung, -validierung und -aggregation entlang der Supply Chain noch einmal deutlich. Ohne ein sauberes Datenmodell, klare Verantwortlichkeiten und Governance entstehen unserer Erfahrung nach Flickenteppiche aus Tabellen, Formaten, Insellösungen und manuellen Workarounds – mit entsprechend hohem Fehler-, Haftungs- und Reputationsrisiko.

Gleichzeitig verschärfen Regulierungen wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die European Sustainability Reporting Standards (ESRS), die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) und nationale Klimaberichtspflichten die Anforderungen an die Transparenz, Auditierbarkeit und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitskennzahlen. Die ESG-Performance entwickelt sich somit zu einem entscheidenden Wettbewerbs- und Finanzierungskriterium: Investoren, Banken sowie Kundinnen und Kunden fordern von den Unternehmen verlässliche Daten zu Emissionen, Lieferkettenrisiken und Governance-Strukturen. Diese Daten beeinflussen zunehmend Ratings und Finanzierungskonditionen. Unternehmen, die jetzt in Strukturen, Prozesse und Systeme für ein strategisches ESG-Management investieren, reduzieren ihre Sanktionsrisiken, erhalten Zugang zu Kapital und verbessern ihre Position bei Ausschreibungen – und das nicht nur im öffentlichen Sektor.


Data Driven

Vom Datenchaos zum datengetriebenen Unternehmen

Daten sind heute die entscheidende Ressource: Sie optimieren Kundenerfahrungen, ermöglichen Entscheidungen und schaffen Automatisierung. Viele Unternehmen nutzen ihre Datenmengen ungenutzt. Erfahrt mehr darüber, wie eine klare Datenstrategie und Architektur aus Informationsbeständen ein Geschäftsmodell formen und damit Transformation und nachhaltigen Erfolg sichern.

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Datenarchitektur als Fundament eines modernen ESG-Managements

Die gute Nachricht für euch: Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind keine Gegensätze, sondern wechselseitige Enabler. Ohne digitale Plattformen, Datenpipelines, Integrationsarchitekturen und Analytics lassen sich Lieferketten, Emissionen und soziale Risiken nicht zuverlässig steuern. Umgekehrt liefert Nachhaltigkeit mit ihren Umfeld-, Stakeholder- und Impact-Perspektiven einen klaren Ordnungsrahmen, um eure Digitalisierungsprogramme auf Resilienz, Effizienz, Risikoreduktion und neue Geschäftsmodelle auszurichten. Wenn ihr ESG-Management als Daten- und Plattformthema versteht, schafft ihr die Basis, um Reporting, Steuerung und Innovation auf einer gemeinsamen Datenarchitektur zu verankern.

Ein ganzheitlicher ESG-Management-Ansatz richtet sich nicht nach der aktuell „lautesten“ Regulierung. Ihr solltet stattdessen eine konsistente Daten- und Prozessbasis über die relevanten Standards und Vorgaben hinweg aufbauen. Unternehmen, die ihre Kennzahlen, Datenquellen und Verantwortlichkeiten einmal sauber definiert bzw. aktualisiert haben, können neue regulatorische Anforderungen überwiegend über Konfiguration und Mapping statt über immer neue Ad-hoc-Projekte adressieren.

Für eure Arbeit sind drei Prinzipien zentral:
  • Erstens ein „One ESG Data Backbone“, also ein zentrales Datenmodell mit klarer Governance, das Finanz- und Nachhaltigkeitsdaten integriert und Mehrfachnutzungen ermöglicht.
  • Zweitens der sogenannte „Beyond-Reporting“-Ansatz, bei dem wertvolle ESG-Daten nicht nur für Offenlegungspflichten, sondern auch für Steuerungsprozesse, Preisgestaltung, Produktentwicklung und Risikomanagement genutzt werden.
  • Drittens das Denken in Plattformen statt in Tools, also der Aufbau offener, skalierbarer IT-Architekturen, über die Primärdaten aus neuen Quellen wie Lieferantendaten, IoT, Satellitendaten oder KI-basierten Schätzverfahren flexibel angebunden werden können.

Der eigentliche Wert von ESG-Daten entsteht durch das Zusammenspiel interner und externer, strukturierter und unstrukturierter Informationen. Neben ERP- und MES-Daten zählen dazu Zertifikate, Auditberichte, Geodaten, Textinformationen aus der Lieferantenkommunikation, Ratings von Drittanbietern sowie branchenspezifische Benchmarks. Mithilfe einheitlicher Datenmodelle, automatisierter Qualitätsprüfungen und intelligenter Verknüpfungen könnt ihr daraus robuste Lagebilder ableiten. Diese bilden die stabile Grundlage für Managemententscheidungen in Krisen, Transformation und Investitionsplanung.

Beschaffung, Supply Chain und neue Geschäftsmodelle als ESG-Schlüsselhebel

Die größten Datenlücken im ESG-Management und in der Lieferketten-Compliance befinden sich oft am Anfang der Wertschöpfungskette, beispielsweise bei Rohstoffen, Vorprodukten und technischen Anlagen. Die Beschaffung wird somit zur Schlüsseldisziplin im Nachhaltigkeitsmanagement: ESG-Anforderungen müssen in Ausschreibungen, Verträgen und dem Supplier-Relationship-Management verankert werden, inklusive klarer Pflichten zur Bereitstellung, Qualitätssicherung und Aktualisierung von Daten. Datenkooperationen entlang der Lieferkette, etwa in Form gemeinsamer Plattformen mit Lieferanten, Maschinenherstellern oder Logistikdienstleistern, helfen dabei, die EUDR-, CSRD- und CSDDD-Anforderungen effizienter zu erfüllen. Gleichzeitig kann so eine datenbasierte Transparenz für kommende, weitaus umfassendere Anforderungen, wie beispielsweise Modelle der Kreislaufwirtschaft, aufgebaut werden.

Erst auf dieser Basis lassen sich neue Geschäftsmodelle wie Product-as-a-Service, Rücknahmeprogramme oder Second-Life-Konzepte skalierbar und steuerbar umsetzen.

Wenn die Kernkompetenz eures Unternehmens nicht im Bereich Nachhaltigkeit liegt, solltet ihr nicht mit dem Ziel eines perfekten ESG-Scores starten. Wichtiger und zielführender ist eine klare, pragmatische Roadmap für das ESG- und Datenmanagement.

Fazit: Strategisches ESG- und Datenmanagement statt Warten auf Regulierungssicherheit

In unserer Projektpraxis haben sich fünf Schritte bewährt: Zunächst klären wir Materialität und Rechtslage, das heißt, wir erfassen die relevanten ESG-Risiken, Chancen und regulatorischen Pflichten strukturiert – gerade mit Blick auf das Jahr 2026, in dem viele neue datengetriebene Vorgaben in Kraft treten. Zweitens wird eine Datenlandkarte erstellt, um bestehende Systeme, Datenquellen und Lücken entlang der Wertschöpfung zu identifizieren. Drittens wird eine ESG-Datenarchitektur definiert, die Zielbilder für Plattformen, Integrationen und Governance beschreibt und technologieoffen sowie cloudfähig ausgelegt ist. Viertens werden Quick-Wins priorisiert, die sowohl Compliance-Risiken reduzieren als auch die Effizienz steigern oder Umsatzpotenziale eröffnen. Fünftens: Skalierung und Automatisierung vorantreiben sowie Prozesse, Verantwortlichkeiten und technische Lösungen sukzessive ausrollen und mit KI- und Analytics-Funktionen anreichern.

Unsere zentrale Botschaft lautet: In einer sich schnell verändernden ESG-Landschaft ist das Warten auf perfekte Regulierungstexte oder endgültige Fristen keine tragfähige Strategie mehr. Wenn Ihr jetzt ein strategisches ESG- und Datenmanagement mit einem stabilen ESG-Datenrückgrat, integrierten Plattformen und kooperativen Supply-Chain-Ansätzen aufbaut, gewinnt Euer Unternehmen seine Handlungsfähigkeit zurück.

Gleichzeitig kann adesso euch mit digitalen Lösungen für End-to-End-Datenarchitekturen, modernen Cloud-, Integrations- und KI-Services dabei helfen, aus der lästigen Reporting-Pflicht eine Innovationsagenda zu entwickeln. Damit könnt ihr Nachhaltigkeitsziele und wirtschaftlichen Erfolg systematisch verbinden. Viel Erfolg!

Sprecht mich gerne an, wenn ihr zu diesem Thema Fragen habt.


Wir unterstützen euch!

Ihr möchtet ESG-, Daten- und Plattformanforderungen so ausrichten, dass euer Unternehmen regulatorische Sicherheit, operative Resilienz und echte Innovationspotenziale gewinnt.

Sprecht uns an, um eure Ausgangslage zu besprechen und die nächsten Schritte für ein zukunftsfähiges ESG- und Datenmanagement zu definieren.

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Bild Tobias Kosten

Autor Tobias Kosten

Tobias Kosten ist Lead Digital Sustainability Management (DSM) bei adesso. Als Teil der Cross Industry (CI) Line of Business fokussiert er sich branchenübergreifend auf den Einsatz digitaler Lösungen zur Steigerung der Nachhaltigkeitsperformance. Durch eine ganzheitliche Betrachtung der Aufgabenstellungen unterstützt er Unternehmen dabei, ihren Erfolg langfristig zu steigern.

Kategorie:

Methodik

Schlagwörter:

Nachhaltigkeit

Regulatorik