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Menschen von oben fotografiert, die an einem Tisch sitzen.

Heute ist scheinbar alles grün: es gibt grüne Geldanlagen, grüne Mode und eben auch grüne Technologie. Denn wenn wir Technologien nutzen, um durch ihre Anwendung unsere natürliche Umwelt zu beobachten, zu modellieren oder zu schützen, dann ist das Green – manchmal auch Clean – Tech. Dabei geht es um nachhaltige Anwendungsfälle, ohne dass die Technologie selbst die nachhaltigste sein muss – auch wenn das natürlich wünschenswert ist. Wie man digitale Lösungen selbst nachhaltiger gestaltet, habe ich bereits in diesem Blog-Beitrag beschrieben. Heute schauen wir uns an, welche Unterscheidungen es im Green Tech gibt und warum jedes Unternehmen, das langfristig am Markt bestehen möchte, sich damit beschäftigen muss.

Zunächst müssen wir jedoch ehrlich zu uns selbst sein. Wir werden komplexe Herausforderungen wie den Klimawandel, das Artensterben und die Übersäuerung der Böden nicht allein mit Software bewältigen. Genau diese Komplexität ist jedoch der Grund, warum es auch nicht ohne Software geht. Wir sprechen also über digitale Lösungen als Enabler für Nachhaltigkeitstransformationen. Denn Energienetze, die künftig noch mehr Schwankungen durch Wind und Sonne ausgesetzt sein werden, großangelegtes Monitoring und Bewerten von Umweltparametern oder der Aufbau von Frühwarnsystemen vor Naturkatastrophen kommen nicht ohne Software aus.

Unternehmen brauchen Green Tech

An BlackRocks Larry Fink – den Gründer des weltgrößten Vermögensverwalters – denkt man nicht sofort, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Doch genau er macht immer wieder deutlich, wie wichtig Nachhaltigkeit für Unternehmen ist. Kürzlich schrieb er dazu: „Die nächsten tausend Unicorns [private Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar] werden keine Suchmaschinen oder Social-Media-Unternehmen sein, sondern nachhaltige, skalierbare Innovatoren, die der Welt bei der Dekarbonisierung helfen und die Energiewende für alle Verbrauchenden bezahlbar machen.“

Analog haben viele finanzkräftige Akteurinnen und Akteure Nachhaltigkeit längst auf der Agenda. Die Beispiele reichen vom aktuell vermögendsten Menschen der Welt – der die Automobilindustrie mit Tesla als nachhaltigerer Alternative binnen kürzester Zeit umgekrempelt hat – bis hin zu Bill Gates, Jeff Bezoz und dutzenden anderen, die mit Breakthrough in Green Tech investieren.

Nun müssen nicht alle den vermögendsten Menschen der Welt nacheifern. Die aktuell dringlichste Herausforderung unserer Gesellschaft bietet jedoch auch ökonomische Potenziale, die gerade Unternehmen nicht einfach ignorieren können. Einigen genügt die Aussicht auf die Erschließung neuer Geschäftsfelder und einen Beitrag zur Bewahrung unserer Lebens- und Geschäftsgrundlage jedoch nicht, um das Thema jetzt auf die Agenda zu nehmen. Diese seien an die mögliche Disruption bestehender Geschäftsmodelle durch nachhaltige Alternativen erinnert.

Green-Tech-Handlungsfelder

Eingangs haben wir gesehen, dass es bei Green Tech darum geht, die natürliche Umwelt zu beobachten, zu modellieren oder zu schützen. Gerade wenn es um Naturschutz geht, ist allerdings nicht immer eindeutig, was wirklich dazugehört. So schützen Unternehmen mit Fleischersatzprodukten oder E-Autos die Umwelt nicht im selben Maße wie Roboter, die Plastik aus dem Meer fischen, oder Maschinen, die CO2 direkt aus der Luft filtern. Dennoch leisten auch indirektere Lösungen einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Umweltauswirkungen – sofern es nicht nur dabei bleibt. Im Folgenden schauen wir uns daher einige Beispiele aus unterschiedlichen Green-Tech-Kategorien an, um mögliche Handlungsfelder und Unterschiede besser zu verstehen.

Cyber-physische Systeme

Die Integration digitaler und physischer Systeme sehen wir in der Fertigung und Logistik schon seit langem. Für unsere Umwelt können wir diese autonome Kontrolle physischer Systeme etwa im Kontext von Sensornetzen zur Messung von Umweltdaten und der Steuerung erneuerbarer Energiequellen nutzen. Auch im Deep-Tech-Bereich sehen wir viele nachhaltige Ansätze, die ohne Software nicht denkbar wären. Erwähnenswert ist hier etwa die Herstellung von nachhaltigerem Beton durch Unterstützung Künstlicher Intelligenz (KI), welche die produktionsbedingten CO2-Emissionen um bis zu 50 Prozent reduzieren kann. Andere Dimensionen der ökologischen Nachhaltigkeit – wie die Übersäuerung der Böden – werden zudem mit Ansätzen aus der Landwirtschaft 4.0 adressiert, wo mit KI gezielt Düngemittel und Pestizide nur auf jene Pflanzen ausgebracht werden, die sie wirklich benötigen.

In meinem Blog-Beitrag zum Thema Sustainable Software Engineering haben wir bereits das Konzept der Carbon Awareness bei Software kennengelernt. Dabei geht es um die intelligente Ausführung ressourcenintensiver Prozesse, wenn viel regenerative Energie verfügbar ist. Dieses Konzept ist nicht auf IT-nahe Prozesse beschränkt. Auch die Steuerung von Produktionsprozessen, Staubsaugrobotern und die Ladung des E-Autos können oft nach Wind und Sonne ausgerichtet werden. Diese intelligente Planung ressourcenintensiver Prozesse kann einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität leisten, wenn durch regenerative Energieträger in Zukunft häufiger mit Netzschwankungen zu rechnen ist.

Green Tech in der Kreislaufwirtschaft

Integraler Bestandteil einer nachhaltigen Wirtschaft ist die Wiederverwendung und die geteilte Nutzung von Ressourcen. Digitalen Lösungen kommt hier wieder die Rolle als Enabler zu, da eine effiziente Ressourcenallokation ohne digitale Aussteuerung kaum zu bewältigen ist. Zudem ist sie Voraussetzung, um die Abwicklung entsprechender Transaktionen bequem und damit attraktiv zu gestalten. Denn die friktionslose Nutzung nachhaltiger Alternativen muss gegeben sein, um Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie Verbraucherinnen und Verbraucher bei Verhaltensänderungen zu unterstützen. Prominente Beispiele entsprechender Geschäftsmodelle kennen wir etwa von eBay Kleinanzeigen, Too Good To Go und Sharing-Mobilitätsangeboten.

Dematerialisierung durch Green Tech

Die Ablösung physischer Prozesse durch digitale Lösungen kann neben Zeit und Kosten oft auch Emissionen sparen. Ob durch Ablösung von Briefen durch E-Mails, Bereitstellung digitaler Kassenbons und Arbeitsverträge, digitale Identitäten oder die Einrichtung digitaler Arbeitsplätze ohne Medienbrüche – vieles, was heute noch hergestellt, transportiert und entsorgt wird, lässt sich auch digital lösen. Zur Analyse und Simulation realweltlicher Phänomene – wie Abfallströme im Waste Management – mittels digitaler Zwillinge spielen digitale Lösungen zudem eine entscheidende Rolle für ein ganzheitliches Verständnis unserer Umwelt und der Auswirkungen, die wir auf sie haben.

Green Tech für mehr Transparenz

Bisher haben wir noch gar nicht über Regulatorik gesprochen. Die ist aktuell der wesentliche Treiber der Nachhaltigkeit. Seit Anfang August 2022 dürfen Privatpersonen nicht von Banken beraten werden, ohne über ihre Nachhaltigkeitspräferenzen befragt zu werden. Größere börsennotierte Unternehmen müssen bereits seit 2017 Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen, die Regelungen werden zum Berichtsjahr 2024 noch mal verschärft und auf viele nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen ausgeweitet.

Genau bei dieser Berichtspflicht sind Green-Tech-Lösungen unverzichtbar. Wir verwenden sie, um Daten zu erfassen, zu verarbeiten und auszuwerten. Zudem können durch digitale Lösungen Informationen und Auswirkungen transparent und zugänglich gemacht werden. Auf Unternehmensebene geht es dabei um Informationssysteme zur Nachhaltigkeitsberichterstattung oder die Ökobilanzierung. Privatpersonen können ihren eigenen CO2-Footprint über Lösungen wie die Plant Hero App berechnen und die Inhaltstoffe und Auswirkungen von Produkten transparent über CodeCheck einsehen.

Green-Tech-Lösungen können darüber hinaus mehr Transparenz in Prozessen schaffen. Die Vorhersage von Absatzmengen in Bäckereien zur Vermeidung von Überproduktion und dadurch für weniger Lebensmittelverschwendung ist ein exemplarischer Anwendungsfall von Künstlicher Intelligenz in diesem Bereich. Weitere Impulse zur Anwendung von KI im Umweltbereich gibt der Blog-Beitrag meines Kollegen Sascha Tash zum Thema KI im Umweltschutz.

Fazit

Analog zu den genannten Handlungsfeldern in der ökologischen Nachhaltigkeit wirken sich digitale Lösungen auch positiv auf die soziale Nachhaltigkeitsdimension aus. wheelmap.org etwa – eine Onlinekarte für rollstuhlgerechte Orte – unterstützt aktiv die gesellschaftliche Teilhabe außerhalb des digitalen Raums. Auch Anwendungen im Bereich E-Health können aktiv zu mehr sozialer Nachhaltigkeit beitragen. Wir sehen also, der Einfluss digitaler Lösungen kann nicht nur in Umweltfragen zu mehr Nachhaltigkeit führen.

Alle vorgestellten Green-Tech-Ansätze bieten sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Potenziale. Entscheidend in der Kommunikation zu Green Tech ist der transparente Umgang mit den tatsächlichen Umweltauswirkungen. Greenwashing muss mit allen Mitteln vermieden werden, um Nachhaltigkeitsinitiativen nicht in Misskredit zu bringen. Wir müssen also immer ehrlich damit umgehen, welchen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft unsere Lösungen tatsächlich haben – selbst wenn einzelne Lösungen eher einen symbolischen Charakter haben.

Welche Ziele sich adesso in puncto Nachhaltigkeit gesetzt hat, welche Maßnahmen wir umsetzen wollen und welche Chancen und Herausforderungen für unser Unternehmen damit in Verbindung stehen, zeigen wir euch auf unserer Website.

Bild Yelle Lieder

Autor Yelle Lieder

Yelle Lieder beschäftigt sich mit der Planung und Umsetzung nachhaltiger digitaler Produkte und Dienstleistungen. Im Kontext digitaler Nachhaltigkeit berät er zur Ermittlung und Reduktion der Umweltauswirkungen sowie zum Product Management digitaler Lösungen.

Kategorie:

Methodik

Schlagwörter:

Nachhaltigkeit

IT-Projekte

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