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Menschen von oben fotografiert, die an einem Tisch sitzen.

Falschinformationen zu erkennen ist eine große Herausforderung. Was kann man tun, um ihnen nicht zum Opfer zu fallen?

Fake News – also in den Medien in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen – sind ein Phänomen, das einerseits seit Urzeiten existiert. In unserer heutigen digitalen Zeit, in der Daten und Informationen als das Öl des 21. Jahrhunderts bezeichnet werden, bekommen Falschinformationen aber eine ganz besondere Bedeutung.

Während die Produktion und Publikation von Daten und Informationen in früheren, das heißt analogen Zeiten eine aufwendige und umständliche Arbeit war, kann in der Welt des Internets jeder Mensch an seinem Computer Autor, Verleger und ganz besonders auch Kritiker zugleich sein. Jede Meinung kann mit geringem Aufwand veröffentlicht werden. Oftmals wird eine aufgestellte These eher deswegen für richtig befunden, weil die Autorin oder der Autor eine große Anzahl an Followern besitzt, und weniger, weil sie oder er eine jahrelange Fachexpertise vorzuweisen hat.

Aktuellen Umfragen zufolge zeigt sich ein gemischtes Bild darüber, was als Fake News wahrgenommen wird:

Laut Statista treffen rund ein Drittel der Deutschen mindestens einmal pro Woche auf falsche Informationen. Knapp ein Viertel trifft auf Fake News jeden oder fast jeden Tag. Andererseits glaubt ebenfalls ein Viertel, selten oder nie mit Fake News konfrontiert zu werden.

Auf den Krieg in der Ukraine bezogen, sorgen sich einer repräsentativen bitkom-Umfrage zufolge fast drei Viertel der Deutschen (72 Prozent) um die Verbreitung von Falschinformationen in sozialen Medien. 57 Prozent finden es schwierig, Informationen über den Krieg in der Ukraine richtig einzuordnen. Lediglich vier Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger halten russische Medien für vertrauenswürdig, wenn es um den Wahrheitsgehalt von Informationen zum Krieg in der Ukraine geht.

Gleichermaßen stufen – ohne Bezug zum Russlandkrieg – etwa 81 Prozent der Befragten in der Studie „Glaubwürdigkeit der Medien“ vom Westdeutschen Rundfunk die öffentlich-rechtlichen Radiosender in Deutschland als vertrauenswürdig ein. Bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern sind es hingegen 79 Prozent. Lediglich sieben Prozent der befragten Personen halten soziale Medien und Netzwerke wie zum Beispiel Facebook für vertrauenswürdig.

Wie kommt es dazu, dass manchen Medien vertraut wird, anderen wiederum nicht?

Hierfür ist ein Zusammenspiel von mehreren Aspekten von Bedeutung. Das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit einzelner Medien entsteht durch äußere Einflüsse, persönliche Glaubenssätze und ebenso durch individuelle Erfahrungen.

Auch wenn in Demokratien eine kritische und objektive Berichterstattung möglich ist, heißt dies noch lange nicht, dass sie auch immer stattfinden muss. Ganz im Gegenteil ist es in Demokratien möglich, alle Meinungen und Botschaften kundzutun, solange sie sich im erlaubten rechtlichen Rahmen bewegen.

Es scheint nahezu unmöglich, diejenigen Nachrichten aus der unglaublich großen und täglich wachsenden Zahl an Informationen herauszufischen, die wirklich wahr, seriös und auf Basis von professioneller journalistischer Arbeit entstanden sind. Die Verwirrung ist also im Zweifel größer, weil das Angebot so reichhaltig ist und undurchschaubar scheint.

Was kann also getan werden, um Falschinformationen von „echten“ Informationen zu unterscheiden?

Mir helfen dabei vier Aspekte weiter:

  • Erstens der Kontext: Ich versuche zu verstehen, ob die präsentierte Information in einem einigermaßen sinnvollen Zusammenhang mit dem steht, was ich kenne.
  • Zweitens die Quelle: Ich versuche zu erkennen, woher die Information stammt beziehungsweise wer sie verbreitet.
  • Drittens die Absicht: Welches Ziel verfolgt die Autorin oder der Autor? Gibt es eine erkennbare Agenda oder hat die Botschaft einen neutralen beziehungsweise objektiv erscheinenden Charakter?
  • Viertens die Ansprache: Welche Ausdrucksformen werden verwendet? Seriöse Menschen tendieren dazu, ihre Botschaften ebenso seriös zu verpacken. Das muss nicht immer so sein, trotzdem schätze ich Artikel, Posts, Beiträge und/oder Kommentare, die ein gewisses Maß an Sorgfalt in der Rechtschreibung und eine gemäßigte Wortwahl verwenden.

Hierzu ein Beispiel, das das Faktencheck-Portal mimikama Mitte August veröffentlicht hat.

Die Behauptung:

Angeblich steigt der Gasverbrauch in Deutschland aktuell, da viel Strom nach Frankreich exportiert wird, was der eigentliche Grund für die steigenden Gaspreise sei und es deswegen wichtig wäre, dass mehr Atomkraftwerke gebaut werden müssen.

Mein persönlicher Kontext hilft mir nur bedingt weiter. Ich habe zwar circa zehn Jahre berufliche Erfahrung in der Energiewirtschaft, aber nur mit Erneuerbaren Energien. Mit Gas- oder Atomenergie kenne ich mich nicht aus. Mehr Atomkraftwerke sind für mich keine Option und bis die Kernfusion sinnvoll zur Energiegewinnung eingesetzt werden kann, dauert es leider noch Jahrzehnte. Ich kann mir zudem einfach nicht vorstellen, dass Deutschland aktuell mehr Gas verbraucht als unbedingt nötig. So viel zu meiner persönlichen Meinung.

Nun zu den Quellen der Behauptung:
  • 1. Ein Post in den sozialen Medien. Der Absender trägt den Namen „Gegen Links-Rot-Grün“. Die Agenda ist durch den Absendernamen direkt geklärt. Die Ansprache ist sehr plakativ und die Wortwahl unterirdisch („Was ein dummes grünes Gesabbel.“). Direkte Disqualifikation.
  • 2. In diversen Medienberichten, unter anderem bei Markus Lanz am 16.08.2022, wird ebenfalls davon gesprochen, dass Deutschland vermehrt Strom aus Gas produziert, um es nach Frankreich zu liefern. Eine konkrete Agenda ist hier nicht zu erkennen, zudem wurde die Aussage über ein in Deutschland etabliertes Medium getroffen und entsprechend hochwertig aufbereitet.

Ich bin also noch immer nicht schlauer, ob die Behauptung tatsächlich korrekt ist. Da ich nicht jede zweifelhafte Aussage detailliert auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen kann und will, nutze ich als Hilfsmittel die Ursache und die Lösung von vielen Problemen – das Internet.

Viele Themen sind bereits von sogenannten Fakten-Checkern überprüft worden. Neben mimikama gibt es zahlreiche andere Portale, Vereine und Privatpersonen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, zweifelhafte Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Um bei der Auflösung des Energiebeispiels zu bleiben: mimikama hat verfügbare Daten über Stromproduktion, verbrauch und Export aufwendig verglichen und in Einzelschritten zu einem Ergebnis kondensiert. Letztendlich ist so auf nachvollziehbare Weise herausgefunden worden, dass Deutschland tatsächlich mehr Strom nach Frankreich exportiert, aber nicht durch Gasverbrennung, die sogar zurückgegangen ist, sondern durch Strom aus erneuerbaren Energien. Das Ergebnis wurde schlüssig und auf interessante Weise aufgearbeitet. Die Behauptung wurde widerlegt.

Was heißt das nun für den Alltag?

Manche Behauptungen sind einfach zu widerlegen, für andere wird mehr Aufwand benötigt. Letztendlich hilft es immer, eigene Vorstellungen mit neuen Positionen abzugleichen. Je ausgeprägter das eigene Wissen im Allgemeinen ist und je mehr man über die Methoden zum Erkennen und Verifizieren von Nachrichten weiß, desto geringer ist das Risiko, auf bewusst gestreute Falschinformationen hereinzufallen. Um es mit den Worten der bitkom zu beschreiben:

„Medienkompetenz muss zentraler Bestandteil des Bildungssystems sein. Wer die Glaubwürdigkeit von Quellen kritisch hinterfragt und weiß, wie man sie überprüft, ist weniger anfällig für gefährliche Falschnachrichten.“

Was kann man also konkret tun, um besser informiert zu sein?

  • 1. Nicht alles sofort glauben, nur weil es jemand laut in die Welt schreit.
  • 2. Raus aus der Filterblase und auch mal andere Stimmen anhören. Im schlimmsten Fall wird dadurch die eigene Position gefestigt.
  • 3. Mehrere, möglichst unabhängige Informationsquellen beziehen.
  • 4. Kritisch prüfen und sortieren:
    • Welche Medien überzeugen durch Inhalt und Vertrauenswürdigkeit und welche wirken eher durch Polemik und Lautstärke?
    • Komplexe Sachverhalte einfach darzustellen, ist eine hohe Kunst. Welche Medien schaffen das ohne Verlust von wesentlichen Inhalten? Welche Medien reißen Aussagen aus dem Kontext, um Aufmerksamkeit zu erregen?
    • Überschriften prüfen. Headlines werden gerne so formuliert, dass sie eine Frage aufwerfen. Welche Medien beantworten die gestellten Fragen (oder versuchen es zumindest) und welche wollen verunsichern, indem sie bewusst Fragen offenlassen?
Bild Tobias  Dieter

Autor Tobias Dieter

Tobias Dieter ist seit 2022 für adesso als Managing Consultant in den Themenbereichen Informationssicherheit, IT-Service-Management und Datenschutz tätig. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte besteht in der Konzeption und Durchführung von Security Awareness Kampagnen.

Kategorie:

Inside adesso

Schlagwörter:

Digitalisierung

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