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Alle berufstätigen Eltern wissen, dass die Balance zwischen Familie und Arbeit selten einfach ist. Zudem sind Projektleitungs- und Beratungsmandate meist komplex, neuartig und einmalig. Dies trifft ebenso auf den Aufbau und die Etablierung eines neuen Unternehmens-Standortes zu. Ich erlebe jedoch seit meinem ersten Tag bei adesso, dass der Spagat zwischen Familie und Projektarbeit hier möglich ist.

Eine häufige Frage, die mir immer wieder gestellt wird: Kann ein Projekt mit einer teilzeitarbeitenden Projektleiterin überhaupt funktionieren?

Viele Leute denken noch immer, dass eine absolute und ständige Präsenz der Projektleiterin unabdingbar ist. Diese Meinung lässt sich auch auf die Managementetage widerspiegeln. Lange war es undenkbar, dass beispielsweise ein CEO eine mehrmonatige Sabbatical-Pause einlegt. Heute ist es akzeptiert und es scheint zu funktionieren. Wieso sollte also demnach nicht auch ein Teilzeitpensum in der Projektleitung möglich sein?

Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel

Selbstverständlich bedarf es dafür gewisser Rahmenbedingungen und einiger Anstrengungen. Dafür sehe ich die nachfolgenden vier Faktoren als erfolgsbringend:

1. Verteilung der Verantwortung und Entscheidungskompetenz

Dazu ist ein kultureller Wandel notwendig, der sich von der Konzentration der Verantwortlichkeit und Entscheidungskompetenz wegbewegt. Die Verantwortung darf nicht allein der Projektleiterin obliegen, sondern auf dasTeam verteilt werden. So werden Diskussionen geführt, auf mögliche Bedenken eingegangen und Entscheide schliesslich gemeinsam getroffen und verantwortet. Das daraus resultierende Ergebnis ist somit deutlich vielseitiger beleuchtet als dies im Alleingang möglich wäre. Zudem ist die Akzeptanz im Team dadurch deutlich höher.

Aufgrund dieser dezentralen Entscheidungskompetenz verfügt jedes Teammitglied über mehr Verantwortung. Dies ist sinnvoll, da die einzelnen Teammitglieder ausgewiesene Fachpersonen sind, die sich in ihren Gebieten weit besser auskennen, als die Projektleiterin es jemals könnte. Somit agiert die Projektleiterin nicht mehr als Vorgesetzte, die alles entscheidet und allein verantwortet, sondern als Beraterin und Wegweiserin für die einzelnen Teammitglieder.

2. Authentizität

Lange dachte ich, als Mutter muss ich mich verstecken und verbiegen, weil man mich am Arbeitsmarkt als Hindernis wahrnimmt. Noch heute lerne ich, dass ich dies nicht muss, denn Offenheit gegenüber Arbeitgeber und Kunden resultiert in den meisten Fällen Verständnis. Ist man authentisch, schafft man Akzeptanz durch Glaubwürdigkeit und steigert damit das eigine Wohlbefinden.

Ich habe erlebt, wie Kunden akzeptiert haben, dass ein Meeting nicht spontan verlängert werden kann, weil ich mein Kind am Abend abholen muss. Es ist wichtig, auch einmal «nein» sagen zu dürfen, wenn etwas nicht möglich ist und dahingehend eine Alternative vorzuschlagen zu dürfen. Dies wird durch eine transparente und frühzeitige Kommunikation und durch Flexibilität aller beteiligten Personen ermöglicht.

3. Akzeptanz und gegenseitige Unterstützung im Team

Projekte funktionieren nicht allein, sondern im Team und das sowohl als Dienstleister als auch als Kunde. Deshalb braucht es die Akzeptanz aller involvierten Personen. Dies gilt selbstverständlich nicht ausschliesslich für den Aspekt der Teilzeitarbeit. Nur wenn wir als Team aufeinander Rücksicht nehmen und uns gegenseitig unterstützen, egal in welchem Bereich, können wir erfolgreiche Projekte abliefern.

Im Projektgeschäft lässt es sich nicht vermeiden, dass notwendige Termine in einem Ausnahmefall auch mal an Tagen stattfinden, an denen ich normalerweise nicht arbeite. Bei solchen Spontaneinsätzen ist es natürlich eine Herausforderung, eine geeignete Betreuungslösung zu finden. Doch mein Team unterstützt mich sehr dabei, mir dies zu ermöglichen. So sind wir bereit, uns gegenseitig auszuhelfen und es ist durchaus denkbar, dass ein Teammitglied oder selbst ein Vorgesetzter kurzweilig auf die Kinder aufpasst, damit ich einen wichtigen Kunden-Call wahrnehmen kann. Dies nenne ich dann wirklich vollen Team-Einsatz für den Kunden.

4. Neugierde und Mut

Ein CEO, der einige Monate im Sabbatical weilt oder eine teilzeitarbeitende Projektleiterin – dies alles ist nicht «einfach so» möglich. Es braucht Neugierde und Mut vom Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer, diesen Schritt zu gehen.

Was es zudem braucht sind mehr Voraussicht, Nachsicht und Organisation. Genau durch diese Faktoren ergibt sich aber ein erfolgreiches Team, das auch weit höhere Herausforderungen meistern kann. Dafür müssen wir alle eine Extrameile gehen.

Auch wir lernen von Tag zu Tag dazu

Fakt ist: Die Balance zwischen Beruf und Familie ist und bleibt eine Herausforderung. Sie ist in meinen Augen aber erreichbar, wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten. Innerhalb des ersten Monats am neuen Standort konnten wir bereits für zwei Mandate überzeugen, wodurch wir bewiesen haben, dass wir in dieser Konstellation als Team erfolgreich sein können. Ein erster, kleiner Schritt für die Etablierung von adesso in St. Gallen ist somit erreicht. Kunden wollen ein Team, das seine Fähigkeiten gezielt nutzt und verlässlich ist. Durch Authentizität, gegenseitige Unterstützung, Neugierde und Eigenverantwortung glauben wir, dies bieten zu können – sei dies in Teil- oder Vollzeitarbeit.

In Zukunft sollte sich die Frage, ob eine Projektleiterin Teilzeit arbeiten kann, hoffentlich nicht mehr stellen. Es ist nicht mehr relevant, «wie» einzelne Mitglieder ihre Arbeiten erledigen, sondern «was» das gelieferte Ergebnis des gesamten Teams ist.

Unser neuer Standort in St.Gallen zeichnet sich insbesondere durch seine Stärke im Digital-Experience-Bereich aus.

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Auch spannend: Mein Kollege Henrik Stapel hat einen Beitrag zur Führung von selbstorganisierten Teams geschrieben.

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Autorin Chelsea Alther

Chelsea Alther arbeitet als Senior Consultant & Project Manager bei der adesso Schweiz AG. Ihre Schwerpunkte liegen in der Begleitung und Beratung von Wasserfall- und agilen Projekten im Bereich e-Commerce und Content Management Systemen.

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