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Digitale Barrierefreiheit verbessert nicht nur die User Erfahrung – sie steigert auch die Sichtbarkeit in Suchmaschinen erheblich. Eine Bank konnte durch gezielte Maßnahmen wie Anpassung von Kontrastverhältnissen, verbesserter Tastaturnavigation und Formularoptimierung ihre Online-Sichtbarkeit innerhalb von sechs Monaten um über 70 Prozent erhöhen.

Der unterschätzte Wettbewerbsfaktor: Barrierefreiheit

Viele Unternehmen investieren große Summen in Marketing und Suchmaschinenoptimierung und übersehen dabei einen der einflussreichsten Faktoren für digitale Sichtbarkeit: Barrierefreiheit.

Websites, die nicht für alle User Gruppen zugänglich sind, verlieren nicht nur potenzielle Kundschaft, sondern auch wertvolle Ranking-Punkte. Suchmaschinen wie Google bewerten Nutzerfreundlichkeit und technische Zugänglichkeit längst als Qualitätsmerkmale. Fehlende Alternativ-Texte, unklare Formularbeschriftungen oder nicht bedienbare Navigationselemente führen dazu, dass Suchmaschinen die Inhalte schlechter verstehen und User schneller abspringen.

Und im Zeitalter von KI-basierten Suchergebnissen und automatischen Zusammenfassungen, wie sie etwa Google bereits testet, wird das noch wichtiger:

Fehlende Struktur oder schlecht zugängliche Inhalte können dazu führen, dass die Website von der KI gar nicht erkannt oder falsch zusammengefasst wird – ein unsichtbarer, aber fataler Wettbewerbsnachteil.

Die Folge: geringere Sichtbarkeit, weniger organische Reichweite und damit weniger Marktanteil im digitalen Raum.

Warum digitale Barrierefreiheit alle betrifft

Barrierefreiheit im digitalen Raum wird oft mit Behinderungen in Verbindung gebracht, dabei betrifft sie uns alle, jeden Tag.

Ob jung oder alt, mit oder ohne Einschränkungen: Jeder Mensch stößt online früher oder später auf Hürden.

Ein paar einfache Beispiele:

  • Schlechte Lesbarkeit auf dem Smartphone bei Sonnenlicht: Zu geringer Kontrast macht Texte kaum erkennbar.
  • Unklare Formularhinweise oder Fehlermeldungen: Selbst technisch versierte User brechen hier häufig ab, weil sie nicht verstehen, was fehlt oder falsch ist.
  • Inkonsistentes Design: Wenn sich Layouts, Farben oder Bedienelemente von Seite zu Seite verändern, sich nicht an Best Practices halten, entsteht Verwirrung. User müssen sich immer wieder neu orientieren, sind frustriert und verlassen die Website.

Solche Barrieren führen zu Frustration, Abbrüchen und sinkender User-Zufriedenheit und wirken sich damit direkt auf die Markenwahrnehmung und Sichtbarkeit aus.

Digitale Barrierefreiheit bedeutet daher nicht nur „Zugang für alle“, sondern vor allem ein besseres Nutzungserlebnis für jeden, egal unter welchen Umständen.

Sie macht Websites intuitiver, verständlicher und leistungsfähiger und das honorieren nicht nur User, sondern auch Suchmaschinen.

Der internationale Standard für digitale Barrierefreiheit

Hinter der Abkürzung WCAG verbergen sich die Web Content Accessibility Guidelines – internationale Richtlinien, die definieren, wie digitale Inhalte für alle Menschen zugänglich gemacht werden können. Sie wurden vom World Wide Web Consortium (W3C) entwickelt und gelten weltweit als Standard für barrierefreie Websites.

Die WCAG bauen auf vier Grundprinzipien auf:

  • Wahrnehmbar – Inhalte müssen von allen User wahrgenommen werden können (z. B. durch ausreichende Kontraste oder Alternativtexte für Bilder).
  • Bedienbar – alle Funktionen sollen ohne Maus nutzbar sein, etwa über die Tastatur oder Sprachsteuerung.
  • Verständlich – Inhalte und Navigation müssen klar und logisch aufgebaut sein.
  • Robust – Websites müssen auf verschiedenen Geräten, Browsern und mit assistiven Technologien funktionieren.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Einhaltung der WCAG, zum Beispiel nach dem Standard WCAG 2.1 AA, sorgt nicht nur für eine bessere User-Erfahrung und höhere SEO-Leistung, sondern bietet auch rechtliche Sicherheit.

Denn in der EU und in Deutschland gelten bereits verbindliche Vorgaben für digitale Barrierefreiheit. Dazu zählen das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) sowie die Richtlinie (EU) 2016/2102 über den barrierefreien Zugang zu Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen.

Darüber hinaus erweitert der European Accessibility Act (Richtlinie (EU) 2019/882) diese Verpflichtungen:

Seit dem 28. Juni 2025 müssen auch private Unternehmen sicherstellen, dass ihre digitalen Produkte und Dienstleistungen barrierefrei gestaltet sind. Damit wird Barrierefreiheit endgültig von einer freiwilligen Maßnahme zu einem zentralen Qualitäts- und Rechtsstandard im digitalen Raum.

Die Hanseatic Bank – eine Bank macht Barrierefreiheit zum Erfolgsfaktor

Als die Hanseatic Bank uns mit der Optimierung ihrer Website beauftragte, war die Seite bereits technisch solide und hatte eine sehr gute Sichtbarkeit (SEO). In puncto Zugänglichkeit hatte sie jedoch Defizite.

Die Maßnahmen

adesso hat die Website umfassend geprüft und optimiert. Dabei standen folgende Themenschwerpunkte im Mittelpunkt:

  • WCAG 2.1 AA-Konformität – als Grundlage für eine ganzheitlich zugängliche Website (gemäß gesetzlicher Vorgaben)
  • Kontrastverhältnisse – Text- und Designelemente wurden an die empfohlenen Kontrastwerte angepasst, um auch bei schwierigen Lichtverhältnissen, mit Sehbeeinträchtigungen oder auf mobilen Geräten gut lesbar zu bleiben.
  • Tastaturnavigation – für User ohne Maus oder mit Assistenztechnologien
  • Formularoptimierung – klare Labels, korrekte Semantik und logische Tab-Reihenfolgen
  • Seitenstrukturen – Überschriften, Absätze und Inhaltsblöcke wurden semantisch optimiert und logisch gegliedert, sodass User sich schnell orientieren können und Suchmaschinen die Inhalte optimal erfassen.

Das Projekt wurde agil umgesetzt: Nach einer Analysephase folgten iterative Anpassungen, Tests und ein kontrollierter Rollout. Der Ablauf war sowohl in-time als auch in-budget. Bereits nach den ersten Wochen zeigte sich, dass die Suchmaschinen-Crawler die Seiten besser indexierten und die Sichtbarkeit der Suchergebnisse stieg.

Das Ergebnis: Plus 70 Prozent Sichtbarkeit in nur 6 Monaten

Nach Abschluss des Projektes konnte die Hanseatic Bank eine über 70 Prozent höhere Sichtbarkeit bei Google verzeichnen. Die Umsetzung der Maßnahmen für die Barrierefreiheit leistete einen wertvollen Beitrag zu dieser positiven Entwicklung. Die Kombination aus technischer Optimierung und besserer User-Erfahrung führte dazu, dass die Bank in den organischen Suchergebnissen deutlich häufiger auftauchte und neue Zielgruppen erreichte.

Barrierefreiheit ist kein Kompromiss, sondern ein echter Wachstumstreiber, der hilft, noch mehr Menschen zu erreichen und Marktpräsenz zu stärken.
Thomas Radtke (Projektleiter)
Kernvorteile für die Bank:
  • Deutlich bessere Auffindbarkeit in Suchmaschinen
  • Höhere Verweildauer und Interaktion auf der Website
  • Verbesserte Markenwahrnehmung
  • Nachhaltige Stärkung der SEO-Performance

Warum Barrierefreiheit die neue SEO ist

Barrierefreiheit sorgt nicht nur für Inklusion – sie ist ein handfester Wettbewerbsvorteil. Suchmaschinen bevorzugen Websites, die technisch sauber, klar strukturiert und für alle User zugänglich sind. Das heißt: Wer Barrieren abbaut, schafft automatisch bessere Voraussetzungen für Crawling, Indexierung und Nutzersignale wie Verweildauer oder Klickrate.

Für Unternehmen, für die Vertrauen, Sicherheit und User-Freundlichkeit entscheidend sind, wirkt Barrierefreiheit zusätzlich als Markenbotschaft:

Eine Bank, die niemanden ausschließt, signalisiert Kompetenz, Verantwortung und Modernität – Werte, die auch digital zählen.

5 Praxis-Tipps: So steigern Sie Ihre Sichtbarkeit durch Barrierefreiheit

  • 1. Starten Sie mit einem Accessibility-Audit: Lasst ermitteln, welche Barrieren auf eurer Website bestehen – von Farbkontrasten bis Formularfehlern.
  • 2. Optimieren Sie Formulare und Navigation: Klare Beschriftungen, logische Reihenfolgen und Tastatursteuerung sind zentrale Faktoren.
  • 3. Integrieren Sie Barrierefreiheit in Ihr SEO-Konzept: Accessibility verbessert Ladezeiten, Struktur und Lesbarkeit – alles Punkte, die Google liebt.
  • 4. Testen Sie regelmäßig mit realen Usern: Nur echtes Feedback zeigt, wie zugänglich Ihre Website tatsächlich ist.
  • 5. Sehen Sie Barrierefreiheit als Teil Ihrer Markenstrategie: Sie steigert Sichtbarkeit, Vertrauen und Differenzierung, besonders in wettbewerbsintensiven Branchen wie dem Bankwesen.

Messbar, nachhaltig, zukunftssicher

Die Erfahrung der Hanseatic Bank zeigt: Barrierefreiheit ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in Sichtbarkeit, Reputation und langfristigen Erfolg. Wer heute digitale Zugänglichkeit ernst nimmt, stärkt nicht nur seine Marke, sondern sichert sich auch einen Vorsprung im Suchmaschinenranking. Bereit, die Sichtbarkeit Ihrer Website zu steigern?


Bereit, die Sichtbarkeit Ihrer Website zu steigern?

Machen Sie digitale Barrierefreiheit zu Ihrem Wachstumstreiber. Unsere Fachleute begleiten Sie von der Analyse bis zur Umsetzung – praxisnah, effizient und messbar erfolgreich.

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Bild Nadine  Henneboele

Autorin Nadine Henneboele

Nadine Henneboele ist Senior Software Engineer im Bereich PHP Experience & Commerce bei adesso und verfügt über umfangreiche Projekterfahrung. Ihr aktueller Fokus liegt auf der digitalen Barrierefreiheit sowie in der Frontend- und Backend-Entwicklung. Sie unterstützt sowohl strategisch als auch operativ.