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Die Frage, was uns bei verschiedenen Tätigkeiten motiviert, ist essentiell. Schließlich handelt es sich um den zentralen Antrieb unserer Handlungen. Hier gibt es durchaus Parallelen zwischen privaten (in diesem Fall der Sport) und beruflichen Tätigkeiten (agiler Softwareentwicklung).

Was motiviert uns eigentlich?

Beim Rennradfahren könnte das Gefühl der Sonnenstrahlen auf der Haut motivieren, der lauwarme Fahrtwind oder auch eine rasante Abfahrt. Vielleicht sind es im Fitnessstudio die Trainingsgeräte oder die Menschen, die man dort kennenlernt. Allerdings kann auch eine Fahrt bei schlechtem Wetter Spaß machen. Ebenfalls weichen die Trainingsgeräte von Fitnessstudio zu Fitnessstudio ab und die Menschen sind unterschiedlich. Das Training ist dennoch erfolgreich und macht immer wieder Spaß. Ich denke, die Motivation, immer wieder auf den Sattel zu steigen oder den Weg ins Fitnessstudio zu gehen, liegt nicht am Wetter oder den Trainingsgeräten. Es ist vielmehr der gesamte Prozess, das Zusammenspiel aller Faktoren und damit der gesamte Weg, der immer wieder dazu motiviert Sport zu treiben.

Ähnlich ist es auch in der Softwareentwicklung: Auch hier können sich die äußeren Faktoren ändern – etwa die Vorgehensweisen (beispielsweise Scrum oder Kanban), die Dynamiken in einzelnen Meetings oder die Teamzusammenstellung. Was motiviert ganze Teams und einzelne Teammitglieder in der agilen Softwareentwicklung immer wieder dazu ins Büro zu kommen und sogar Spaß bei der Arbeit zu haben? Ich denke, es ist nicht unbedingt die gewählte Art der agilen Vorgehensweise, einzelne Events oder das Team, sondern - ähnlich wie beim Sport - der gesamte Prozess, der entscheidend zu einer hohen Motivation beiträgt.

Ihr fragt euch, warum ich davon ausgehe, dass der gesamte Prozess motiviert? Ganz einfach: Ich denke, es sind die stetigen Überprüfungen und Anpassungen. Schließlich ermöglichen erst diese beiden Tätigkeiten eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung – sei es nun persönlich, beruflich oder beim Sport.

Da ich davon überzeugt bin, dass ein gutes Trainingsprogramm – egal ob beim Sport oder bei agilen Vorgehensweisen in der Softwareentwicklung – den idealen Rahmen bietet, möchte ich euch das Ganze einmal näher vorstellen.

Status Quo und Ziel

Um zunächst beim Sport zu bleiben: Die nächste Rad- und Fitness-Saison beginnt für mich persönlich immer bereits im Winter und zwar mit der Vorbereitung auf den Sommer. Dabei versuche ich, mit einem Rückblick einen Status Quo zu ermitteln und rekapituliere, was gut lief und wo es Verbesserungspotenziale gibt. Um ein Feedback zu erhalten, binde ich auch gerne Teamkollegen – etwa aus dem Radverein – ein und frage nach deren Meinung.

Ist der Status Quo ermittelt, erfolgt die Festlegung eines Ziels, das in der Vorbereitungszeit erreicht werden soll. Ist das geschafft, wird ein Trainingsplan mit den entsprechenden Schwerpunkten erstellt.

Bei diesem Vorgehen gibt es zahlreiche Parallelen zur agilen Softwareentwicklung:

  • Der Product Owner erstellt in Zusammenarbeit mit den Stakeholdern das Ziel in Form einer Produktvision (hier wollen wir hin).
  • Ein Status Quo wird ermittelt (hier stehen wir).
  • Das agile Team überlegt sich daraufhin gemeinsam, ob und wie das Ziel am besten erreicht werden kann.

Ständiges überprüfen…

Beim Training beginnt nun die eigentliche Vorbereitungszeit und die Übungen werden durchgeführt. Für den Trainingserfolg ist dabei eine regelmäßige Überprüfung und ein stetiger Ausbau des Trainings von großer Bedeutung. Hier besteht nämlich sonst die Gefahr, dass sich der Körper an die Belastung gewöhnt, man sich auf seinen Erfolgen ausruht und letztendlich seine Ziele nicht erreicht. Andererseits besteht die Gefahr, dass der Körper durch die Trainingseinheiten auf Dauer überlastet wird. Die Folgen wären ein absinkendes Leistungsniveau und sogar Folgeerkrankungen. Der wichtigste Feedbackgeber beim Sport ist für mich der eigene Körper. Smartwatches können hier unterstützend genutzt werden, um aus den erfassten Vitalwerten die entsprechenden Kennzahlen (KPIs) – etwa die Herzfrequenz – abzuleiten.

In der agilen Softwareentwicklung nähert sich das Team – ähnlich wie beim Training – dem Ziel schrittweise durch eine inkrementelle iterative Vorgehensweise. Auch hier können regelmäßige Überprüfungen die Basis des Erfolgs bilden. Wie beim Sport gilt auch in der Softwareentwicklung: Erst eine ständige Überprüfung ermöglicht die Verbesserung des Teams und eine Optimierung von Produktanforderungen. Für das Team bieten sich durch Retrospektiven Möglichkeiten, zu erkennen, an welchen Stellen es Verbesserungspotenziale gibt. Der Produkterfolg kann mithilfe von Kennzahlen (KPIs) – etwa Anwenderzufriedenheit oder Aufrufzahlen – gemessen werden.

… und anpassen

Beim Sport kann das Training auf Basis der erhobenen Informationen angepasst werden. Eine gute Möglichkeit zur Anpassung bieten kleine Experimente: Hier können die Trainingseinheiten für einen definierten Zeitraum umgestellt werden, um zu überprüfen, ob man seinem Ziel auf diese Weise schneller näher kommen kann. Ein Beispiel: In diesem Experimentierzeitraum fahre ich mit anderen Intervallen oder tausche Fitness-Übungen aus. Am Ende des Zeitraums prüfe ich, ob die Anpassungen die gewünschten Wirkungen erzielt haben oder ob negative Auswirkungen (zum Beispiel Muskelschmerzen) überwiegen.

Das Gleiche gilt auch für die agile Softwareentwicklung: Auch hier bieten Experimente ein enormes Potenzial und einen guten Rahmen zur Anpassung. Aus den Verbesserungspotenzialen, ob nun innerhalb des Teams oder zur Verbesserung des Produktes, können entsprechende Ziele und Maßnahmen abgeleitet werden. Beispielswiese könnte bei langwierigen und immer wieder auftretenden Diskussionen innerhalb des Teams eine Timebox festgelegt werden, um den Fokus zu behalten. Wenn aber zum Beispiel festgestellt wird, dass immer wieder Features ausgerollt werden, die von den Anwenderinnen und Anwendern nicht genutzt werden, könnte man versuchen, diese User frühzeitiger in den Entwicklungsprozess einzubinden.

Um den Erfolg der abgeleiteten Maßnahmen pragmatisch zu überprüfen, werden diese in einem zuvor definierten Zeitraum angewandt. Am Ende kann dann geprüft werden, ob die Maßnahmen zur Erreichung der Ziele beigetragen haben.

Fazit

Kommen wir zur Eingangsfrage „Was motiviert uns eigentlich?“ zurück. Wie gesagt, gehe ich nicht davon aus, dass es – sei es beim Sport oder innerhalb der agilen Softwareentwicklung – äußere Faktoren gibt, die grundlegend zur Motivation beitragen. Hier ist es egal, ob beim Radfahren die Sonne scheint oder ob es regnet, ob in der agilen Softwareentwicklung eine bestimmte Vorgehensweise zum Einsatz kommt oder nicht. Vielmehr denke ich, dass der gesamte Prozess motiviert, wenn dieser jedem Einzelnen die Möglichkeit gibt, Freiheiten auszuüben, eigene Ideen zu entwickeln, Dinge auszuprobieren und zu experimentieren.

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Autor: Florian Petermann

Florian Petermann ist Senior Consultant in der Line of Business Insurance bei adesso. Er beschäftigt sich als aktives Mitglied einer Community of Practice for Agile (CoP 4 Agile) der Line of Business Insurance mit dem Thema „Agilität in der Versicherungsbranche”.

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