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Vor der künstlichen ist erst die menschliche Intelligenz gefragt

Liebe Leserinnen und Leser,

unsere Jobs könnte bereits in wenigen Jahren eine Künstliche Intelligenz übernehmen. Diese Überzeugung könnte bei Ihnen jedenfalls entstanden sein, wenn Sie die Medien in den letzten Monaten verfolgt haben. Die neuen Systeme werden unsere Aufgaben besser, schneller und günstiger erledigen als wir Menschen. Unsere Nachfolger werden nie müde, übersehen nie etwas und sind mit dem Gedanken nie beim letzten Bundesligaspieltag. Gestern Schach, heute Go, morgen der ganze Rest: Die Erfolgsgeschichte von KI scheint bereits festzustehen. KI kann jetzt schon vieles und wird bald fast alles können – so der Tenor vieler Berichte.

So ist KI in der öffentlichen Wahrnehmung inzwischen vom Nimbus des Magischen umgeben. Aber: Erfolgreiche KI-Projekte werden nicht in den Zauberlaboren von Hogwarts heraufbeschworen. Sie basieren auf einem detaillierten Verständnis für die Anforderungen der eigenen Branche und der eigenen Kunden. Sie erfordern Diskussionen zwischen Fach- und IT-Abteilung ebenso wie das kenntnisreiche Bewerten von Technologien und ihren Möglichkeiten. Kurzum: Sie sind das Ergebnis von sauber auf- und umgesetzten IT-Projekten. All die – in grossen Teilen sicherlich berechtigte – Euphorie um die Potenziale von KI darf den Blick darauf nicht verstellen. Auch solche Systeme müssen Experten entwickeln, bauen, testen, implementieren und anpassen. Damit Künstliche Intelligenz funktioniert, müssen wir Menschen also weiter unsere eigenen Köpfe anstrengen.

Atoms, Bits, Cognition and Data

Menschliche Intelligenz ist unabdingbar für die Entwicklung einer gänzlich neuen Art von Systemen, wie sie gerade entstehen. Künstliche Intelligenz ist dabei nur einer der Treiber der Entwicklung. In Zukunft werden wir es immer häufiger mit Systemen zu tun haben, in denen die reale Welt von Menschen, Maschinen und Gegenständen –Atome – mit der virtuellen Welt aus Software, Daten und Algorithmen – Bits– bis zur Ununterscheidbarkeit miteinander verschmelzen. Systeme, bei denen wir die gesammelten Daten mit jetzt noch ungeahnten Möglichkeiten kognitiver Anwendungen analysieren und daraus Rückschlüsse ziehen können. Und weil das auf Englisch einfach besser zusammenpasst, reden wir von „Systems of Atoms, Bits, Cognition and Data“ (ABCD-Systems).

Ich bin davon überzeugt, dass das die kommende IT-Struktur ist: Im Kern besteht diese aus den klassischen Informationssystemen, die wir schon seit Jahrzehnten kennen und optimieren. Auf dieser Grundlage arbeiten integrierte Lösungen aus Cyber Physical Systems und Cognitive Computing Systems – je nach Branche und Unternehmen in unterschiedlichen Gewichtungen und Ausprägungen. In dieser Konstellation aus ABC&D verändern sich Geschäftsmodelle, hier wird über Erfolg oder Misserfolg entschieden. Auch für diese Systeme gilt: Das Beherrschen von Technologien ist nur eine Voraussetzung für den Unternehmenserfolg. Alles Technologiewissen ist aber nichts wert ohne die Fähigkeit, es in die Alltagswelt der eigenen Mitarbeiter und Kunden zu übersetzen. Neue Prozesse, Angebote und Services kann nur der entwickeln, der Branche und Mitarbeiter versteht.

Künstliche Intelligenz ist also nur eine Facette einer grösseren Entwicklung – wenn auch die schillerndste. Wie schon erwähnt: Wenn Unternehmen das Thema richtig angehen, lassen sich die Potenziale nur erahnen. Es fällt schwer, sich einen Bereich vorzustellen, der nicht davon profitieren würde. KI erlaubt es der Unternehmensführung, einen ganz anderen Einblick in die eigenen Daten zu haben. Sie ermöglicht es dem Service, Kundenorientierung im Voraus zu denken. Sie liefert den Logistikexperten die Grundlage für die Prozessoptimierung auf einem ganz neuen Niveau. Artificial Enterprise Intelligence, Artificial Customer Intelligence oder Artificial Logistic Intelligence – am Ende läuft es auf Artificial X Intelligence hinaus.

Die Art und Weise, wie wir Menschen, Prozesse und reale Objekte sehen und verstehen, wandelt sich gerade grundlegend. Ihr und unser Job wird es sein, dafür die passenden ABCD-Systeme zu entwickeln. Eine große Aufgabe dabei ist es, sinnvolle Anwendungen für KI-Lösungen zu finden und zu realisieren. Und das wird genauso spannend, wie es sich anhört. Einige Ansätze stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe vor.

Viele Grüße

Prof. Dr. Volker Gruhn
Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der adesso AG

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